Struck und Koch : Nicht mit Gewalt

Peter Struck unterstellt Roland Koch, er sei im Herzen froh über die bösartige Münchner Attacke auf einen Rentner. Das könnte noch Folgen haben.

Stephan-Andreas Casdorff

Das Thema ist noch längst nicht zu Ende. Was sich auch daran zeigt, dass Verteidigungsminister Franz Josef Jung jetzt sogar zum Angriff übergegangen ist: Peter Struck, der SPD-Fraktionschef, sei seines Amtes unwürdig. Das sagt Jung, CDU-Koalitionspartner von Struck, auch, weil er mit Roland Koch befreundet ist. Er sagt es aber zu Recht wegen Strucks wirklich ungeheurer Unterstellung, Koch sei im Herzen froh über die bösartige Münchner Attacke auf einen Rentner, um hartes Vorgehen gegen Gewalt jugendlicher Ausländer im hessischen Wahlkampf hochziehen zu können.

Ja, Struck, der sich nicht entschuldigen will, wird noch einiges zu hören bekommen. Selbst wenn man sarkastisch anmerken könnte, dass sich jeder so gut disqualifiziert, wie er kann: Es muss Grenzen geben. Denn hier sprach immerhin der Fraktionschef der Regierungspartei SPD. Und Fraktionsvorsitzende, man vergisst das zu oft, sind von Amts wegen Anwärter auf die Kanzlerschaft (oder Vizekanzlerschaft). Da kann man Würde erwarten, von Vorbildfunktion gar nicht weiter zu reden.

Dazu noch dieser wahltaktische Fehler! Gerade berappelt sich die hessische SPD, ist sie auf dem Vormarsch, auf dem höchsten Stand seit 2001, bei 36 Prozent, während die CDU auf 40 Prozent sinkt – genau in diesem Moment kommt Struck mit einem solchen Satz. Jetzt können sich konservativere Gemüter wieder ohne allzu schlechtes Gewissen mit Koch solidarisieren. Die CDU-Anhänger, die Kochs Kurs abgeschreckt hatte. Aber auch diejenigen, die für eine härtere Gangart plädieren, die denken wie Neuköllns Heinz Buschkowsky und doch im Großen und Ganzen für die SPD erreichbar sind, hat Struck vor den Kopf gestoßen. Er kann jetzt nur hoffen, dass es einen Solidarisierungseffekt auch mit ihm gibt, nach dem Motto: endlich mal Klartext. Und dass Jung den mit seinem Angriff befördert. Hoffen wird das besonders die SPD. Nicht nur in Hessen.

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