Meinung : Studiengebühren – ungebührlicher Zank

„Ein Zwischenruf zur … Bildung.

Ursula Weidenfeld über die skandalöse Bevorzugung von Studenten in Deutschland“

vom 20. Juni

Ich würde die Bevorzugung von Studierenden nicht skandalös nennen. Aber ungerecht ist sie sicherlich. Wenn wir eine Summe X für Bildung ausgeben, dann sollte sie möglichst vielen zu einem Zeitpunkt zukommen, wo Bildung beginnt.

Wenn wir stattdessen die wenigen, die sich dank frühkindlicher Förderung zu Hause und/oder in der Kita sowie dank „guter“ (Privat-)Schulen den Weg zum Studium gebahnt haben, dies kostenfrei absolvieren lassen, so ist das unsinnig und – nochmals – ungerecht.

Die Autorin hat recht, wenn sie darauf verweist, dass Akademiker in der Regel in der Lage sind, Studienkredite zurückzuzahlen. Der Verzicht auf Studiengebühren wird sich im Übrigen ziemlich rasch als kontraproduktiv und wiederum als ungerecht erweisen: Die, deren Eltern es sich leisten können und wollen, werden an Hochschulen studieren, die Studiengebühren erheben, weil diese Hochschulen über die besseren Sachmittel (z. B. Bibliotheken) und mehr Personal verfügen. Gerecht ist das wirklich nicht und auch kein überzeugendes Modell für Chancengleichheit.

Juliane Freifrau von Friesen,

Senatorin a. D., Berlin-Steglitz

Zu Recht werden Studiengebühren von der Mehrheit der Bevölkerung als ungerecht empfunden. Zusätzliche Investitionen in Bildung, insbesondere in den Hochschulen wie auch im frühkindlichen Bereich sind sinnvoll und wünschenswert. Aber woher soll das Geld kommen? Ein Hochschulstudium führt zwar häufig zu besseren Karrierechancen und einem höheren Einkommen – aber längst nicht immer! Längst nicht alle Akademiker verdienen prächtig. Gerade in den vom Arbeitsmarkt wenig nachgefragten Fächern arbeiten Absolventen nicht selten im Niedriglohnbereich. Gerecht wäre es deshalb, diejenigen zur Kasse zu bitten, die finanziell privilegiert sind. Konkret heißt das: Mehr Kita-Plätze und frühkindliche Bildung durch Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen.

Studiengebühren sind nicht nur ungerecht, sie schaden auch. Was eine verbesserte frühkindliche Bildung an Chancengleichheit herzustellen schafft, reißt die sozial selektive Wirkung von Studiengebühren wieder ein. Schon jetzt entscheiden sich jedes Jahr tausende Abiturienten aufgrund von Gebühren gegen ein Studium. Betroffen sind vor allem junge Frauen und Menschen aus bildungsfernen Familien. Studiengebühren schaffen hier eine doppelte Diskriminierung.

Arne Pannen,

Berlin-Charlottenburg

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