Studiengebühren : Zurück zur Vernunft

In Deutschland steht ein Durchbruch in Sachen Studiengebühren bevor: eine große Wende zur Vernunft, die bundesweite Chancen birgt. Die CDU und die Grünen in Hamburg haben sich auf ein neues Modell geeinigt. Das alte kommt auf den Müll. Sehr zu Recht. Von Anja Kühne

Die Hansestadt gehört zu jenen sieben unionsgeführten Ländern, die vor zwei Jahren damit begannen, von ihren Studierenden bis zu 500 Euro pro Semester zu verlangen. Zahlbar sofort. 500 Euro sind für viele Familien keine Unsumme. Aber ein paar hundert Euro sind genug, um die nach Selbstständigkeit strebenden jungen Erwachsenen finanziell enger an die Portemonnaies ihrer Eltern zu binden. Es sei denn, die Studierenden jobben noch mehr – zulasten des Studiums. Oder sie nehmen einen der mit üppigen Zinsen ausgestatteten Kredite auf, die die Gebühren nach Jahren des Abstotterns doppelt so teuer machen – zur Freude der Banken.

Das gebührenfreie Studium ist eine soziale Errungenschaft, von der viele junge Leute, aber auch die Bundesrepublik profitiert haben. Bildung darf nicht nach Geld gehen. Wenn die Unionsländer nun unter Hinweis auf die seit Jahrzehnten unterfinanzierten Hochschulen Gebühren einführen, müssen sie dabei äußerst behutsam vorgehen. Sonst besteht die Gefahr, dass noch weniger Kinder aus der bildungsfernen Schicht studieren als ohnehin schon.

Am ehesten vermieden werden könnte die abschreckende Wirkung durch nachgelagerte Studiengebühren, wie Hamburg sie jetzt plant. Die auf 375 Euro pro Semester abgesenkten Gebühren müssen erst nach dem Studium zurückgezahlt werden und auch dann erst ab einem Jahresverdienst von 30000 Euro. Diese Regelung dürfte zu einer höheren Akzeptanz der Gebühren führen: Im Blick zurück werden die Absolventen den Wert ihres Studiums noch höher schätzen.

Der Hamburger Kompromiss könnte Schule machen. Als Nächstes könnte er nach Hessen ausstrahlen. Dort wollen SPD, Linke und Grüne die Gebühren ganz abschaffen. Wenn das mit Roland Koch nicht geht, bietet sich das Modell Hansestadt an.

Doch selbst wenn es eines Tages nur noch nachgelagerte Gebühren in Deutschland geben sollte: Für alle Zeit muss auch dann noch gelten, dass Studiengebühren eine moderate Höhe nicht überschreiten dürfen. Hochschulen sind im Wesentlichen aus Steuergeldern zu finanzieren.

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