Meinung : Studieren für die Zinsen

WOWEREITS STUDIENGEBÜHREN

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Seit Monaten lässt Finanzsenator Sarrazin Testballons mit der Aufschrift „Studiengebühren“ in den Berliner Himmel steigen. Jedesmal war die Luft ziemlich schnell raus aus den Ballons. Die Berliner SPD wollte keine Studiengebühren, die PDS sowieso nicht. Der Koalitionsvertrag ist da eindeutig, und eindeutig ist erst recht das Hochschulrahmengesetz, in dem die Bundesbildungsministerin Studiengebühren für das Erststudium verboten hat. Plötzlich zeigen Sarrazins Vorstöße doch noch Wirkung. Der Regierende Bürgermeister will Gebühren erheben, nicht nur für Langzeitstudierende, sondern für das Erststudium – ganz so, als gebe es nicht das Gesetz seiner Parteifreundin, nicht die Widerstände an der Parteibasis und nicht die PDS. Über so viel Mut könnten sich die geschröpften Berliner Universitäten eigentlich freuen. Sie tun es aber nicht. Denn das Geld würde sogleich im Haushaltsloch versickern, für Zinsen. Damit wäre der Sinn von Studiengebühren – die Lehre an der Massenuni durch eigene Finanzmittel zu verbessern – zunichte. Vor allem ist die Vorstellung bizarr, Berlin könnte als einziges Bundesland Studiengebühren erheben. Die Studenten würden die Stadt in Scharen verlassen. Die Universitäten, denen die Politiker es überlassen würden, das Geld einzutreiben, blieben auf Schulden sitzen. Wenn Studiengebühren, dann muss man sie bundesweit einführen und das Geld bei den Unis lassen. Da haben Wowereits Luftballons noch einen weiten Weg vor sich. akü

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