Südafrika : Der zweite Neuanfang

Mit dem erzwungenen Rücktritt von Staatschef Thabo Mbeki geht am Kap ein Machtkampf zu Ende, der den regierenden ANC jahrelang gelähmt und dabei auch dem führungslos dahintreibenden Land schweren Schaden zugefügt hat.

Wolfgang Drechsler

Die Ironie: Nicht Mbeki sondern sein Gegenspieler, ANC-Parteichef Jacob Zuma, den er vor drei Jahren nach Korruptionsvorwürfen gefeuert hatte, hat sich am Ende durchgesetzt.

Dass es zu einer solch dramatischen Wende kommen konnte, hat Mbeki sich selber zuzuschreiben: Mit seiner Arroganz und seinen machiavellistischen Umtrieben hat er sich weit von der Parteibasis entfernt – und dabei das Erbe seines legendären Vorgängers Nelson Mandela fahrlässig verschleudert. Ob es sinnvoll war, Mbeki wenige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit derart zu demütigen, bleibt fraglich. Sollte sein Kabinett geschlossen mit ihm abtreten, droht dem Land eine veritable Regierungskrise. Doch derzeit deutet wenig darauf hin.

Bei allem Misstrauen gegenüber seinem wahrscheinlichen Nachfolger Zuma sollte nicht vergessen werden, dass gerade er es war, der sich Thabo Mbekis totalem Machtanspruch mutig entgegenstellte. Südafrikas Zivilgesellschaft hat sich in dem dadurch geschaffenen Freiraum zuletzt neu entfalten können. Der Fokus vieler Beobachter auf Zumas sexuellen Praktiken oder einigen weniger durchdachten Aussagen steht in keinem Verhältnis zur Realität: Zuma hat viele Schwächen, aber anders als Mbeki ist er ein Politiker mit einem hohen Maß an emotionaler Intelligenz und kennt seine Grenzen. Da er mit 66 Jahren genauso alt wie sein Rivale ist, dürfte Zuma zudem nur eine Amtszeit absolvieren.

Auch wirtschaftlich dürfte er weniger radikal agieren als es die Slogans und Forderungen seiner Alliierten in der Gewerkschaftsbewegung und Kommunistischen Partei vermuten lassen. Vor allem aber hat Zuma nun die Möglichkeit, seine Partei, aber auch das Land neu zusammenzuführen. Die große Skepsis, die ihm dabei entgegenschlägt, dürfte gewährleisten, dass Zuma im Gegensatz zu Mandela oder Mbeki von Beginn an mit Argusaugen beobachtet wird. Dies ist ein unschätzbarer Vorteil: Der erzwungene Abgang Mbekis bietet dem Land jedenfalls eine echte Chance, viele der selbst zugefügten Wunden zu heilen – und nach Mandela nun einen zweiten Aufbruch zu wagen.

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