Syriens Flüchtlinge : Willkommenskultur

Nur noch zwei Wochen bis zur Wahl, da scheint es immer noch gewagt, über große Zahlen von Flüchtlingen zu reden. Dabei ist das Volk in aller Regel informiert und will sich in seiner großen Mehrheit der Pflicht zu helfen gar nicht entziehen. Die syrische Tragödie spielt sich zudem an Europas Peripherie ab, die EU-Beitrittskandidatin Türkei etwa hat seit Beginn des Mordens tausende Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen; im Libanon, der selbst noch immer unter den Nachwirkungen des 15-jährigen Bürgerkriegs zu leiden hat, sind nach UN-Angaben 720 000 Flüchtlinge gestrandet. Wie ohnehin Kriegs-Anrainer stets in der Pflicht sind, egal ob reich oder bitterarm. Den Luxus der Diskussion – aufnehmen ja oder nein – können sich nur die Bewohner gut befestigter Inseln wie in Europa leisten. Aber sie, genauer: wir, sollten es nicht. Männer, Frauen und Kinder aus Syrien sind jetzt in Lebensgefahr, sie können nicht auf Brüsseler Tagesordnungen warten. Auch Deutschland ist in einer ganz eigenen Pflicht. Gut, dass Berlin im Frühjahr erklärte, man wolle 5000 Menschen aufnehmen. Dass man sich auch „darüber hinaus“ engagieren werde, ist schön. Aber es klingt nach „ein wenig“. Das wäre – zu wenig. ade

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