Meinung : T-Shirts aus Afrika

Fairer Handel hilft dem Kontinent am meisten

Ingrid Müller

Das Beispiel Mali zeigt, wie gut es ist, gute Beziehungen zu anderen Staaten zu haben. Der malische Präsident hat durch sein Engagement 14 Menschen das Leben gerettet, die als Geiseln in der Hand von Entführern waren. Die Deutschen hatten bei der Regierung in Bamako einen Stein im Brett, nicht nur, weil sie 1960 als erstes Land das unabhängige Mali anerkannten, noch vor den Nachbarn und den Franzosen. Aber Freundschaften wollen erhalten bleiben – gerade, wenn ein so armes Land wie Mali sich derart einsetzt. Die Entführung zeigt, wie wichtig es ist, in diesen Regionen Verbündete zu haben. Und: Im Kampf gegen den Terror setzt die Welt auch auf Afrika. Wenn die anderen Staaten aber mehr als Lippenbekenntnisse von diesem Kontinent wünschen, sollten sie sich für diese Länder engagieren. Nicht nur mit bilateraler Hilfe etwa beim Aufbau einer dezentralen Verwaltung.

Malis Präsident Toure hat angesprochen, was wirklich wichtig ist: fairer Handel. Mit seinem Beispiel Baumwolle hat er durchaus einen wunden Punkt der Europäer getroffen. In der EU wird Baumwolle nur angebaut, weil es Subventionen gibt. Und wegen dieser Subventionen für Bauern in den EU-Südländern kommen die Afrikaner nicht zum Zuge. Da reicht die Abschaffung von Zöllen für Produkte jenseits von Rüstungsgütern aus den am wenigsten entwickelten Ländern im Jahr 2001 nicht. Vor allem: Die Baumwollmarktordnung wie die Zuckermarktordnung müssen neu verhandelt werden. Wenn die EU sich dabei von den Subventionen für ihre Bauern verabschiedet, hilft sie Afrika ohne großen eigenen wirtschaftlichen Schaden wirklich. Wenn sich die Europäer gegen die eigenen Lobbyisten durchsetzen, können sie ein Zeichen setzen.

Das ist nach dem Scheitern der Welthandelsgespräche in Cancun noch wichtiger, aber wohl auch wieder schwieriger. Glauben doch auch viele Europäer, dass nun der Druck, zu Lösungen zu kommen, wieder geringer geworden ist. Wollen sie den Afrikanern aber wirklich helfen, sollten sie sich dafür einsetzen, dass die Welthandelsgespräche wieder aufgenommen werden. Kommt keine Einigung für den Welthandel zu Stande, müssten die afrikanischen Staaten ganz bilaterale Gespräche führen. Das würde die armen Länder und ihre Verwaltungen völlig überfordern. Kommt es aber nach Jahrzehnten der Ankündigungen endlich zu einer fairen Welthandelsordnung, wäre Afrika damit viel mehr geholfen als mit ein paar Millionen Entwicklungshilfe.

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