Meinung : "Tagesthemen": Zwei Arten von Nachtschicht

jhb

Ein Kind ist ein Segen, zwei Kinder sind eine Herausforderung. Gabi Bauer erwartet Zwillinge und gibt deshalb die Moderation der "Tagesthemen" auf. Ein honoriger Entschluss, weil eine Fernseh- zunächst in eine Familienkarriere verwandelt wird. Und ein kluger dazu. Der ARD würde es nicht gelingen, nur für die Zeit von Bauers Babypause die gewünschte neue "Top-Journalistin" zu gewinnen. Die "Zwischenlösung", der Sender und Gabi Bauer selbst würden, falls die Ersatzfrau einschlägt, vor der unangenehmen Frage stehen, wer denn nun die "Tagesthemen" neben Ulrich Wickert präsentieren soll. Mit ihrem Abschied gibt Gabi Bauer den Weg für eine befriedigende Nachfolge-Regelung frei. Eine zweite, mehr allgemeine als persönliche Frage schließt sich an: Hat Gabi Bauer allen Frauen mit Absicht und Aussicht auf Karriere einen schlechten Dienst erwiesen? Die "Tagesthemen"-Moderation ist ein extremer Job. Jede zweite Woche Nachtarbeit. Gabi Bauer hat sich entschieden - gegen die "Tagesthemen" und für die Familie. Eine Fernseh-Frau zeigt Bodenhaftung. Bauers Entschluss deutet an, dass selbst in diesen Berufsrängen der Wunsch triumphieren kann, Kinder zu bekommen und selbst groß zu ziehen. Es ist also noch Hoffnung da für das Modell Familie. Und wer sagt denn, dass Gabi Bauer nicht wieder auf dem Bildschirm auftauchen wird? Eine Karriere wurde unter-, nicht abgebrochen. Die Zwillinge werden es ihr gleich, die Zuschauer später danken.

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