Meinung : Tarif-Modell: Marke verfehlt

Antje Sirleschtov

Kaum etwas ist so wichtig für ein erfolgreiches Produkt wie ein Markenname. 5000 mal 5000, das sollte so ein Markenname werden. Das Tarifmodell des Autobauers Volkswagen sollte ein Symbol dafür sein, dass Unternehmen und Gewerkschaften in Deutschland gemeinsam in der Lage sind, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Doch nicht allein, dass 5000 Menschen in Hannover/Wolfsburg aus der Arbeitslosigkeit geholt werden sollten, hatte Symbolwert. Viel wichtiger war, dass den Kritikern der Gewerkschaften bewiesen werden sollte, dass Arbeitnehmervertreter längst nicht mehr die dogmatischen Kartellwächter von starren Lohn- und Arbeitszeitmodellen sind, sondern man mit ihnen neue flexible Arbeitsplätze schaffen kann.

Dass die künftigen VW-Werker 5000 Mark Bruttolohn (nicht gerade Niedriglohn) erhalten und mehr als 35 Stunden in der Woche arbeiten sollten, ging der IG Metall allerdings zu weit. "Keinen Millimeter vom Flächentarif" wollten sie abweichen. Und das ist ihnen schließlich auch gelungen. Nachdem die IG Metall die Verhandlungen platzen ließ und es nun erst auf Druck des Bundeskanzlers zu einer Einigung kam, ist klar, dass mit der Billigung der Metallgewerkschaft in Niedersachsen neue - arbeitszeitflexible - Jobs in der Autobranche entstehen können. Und das auch noch, ohne den Flächentarif zu unterlaufen. Bravo, mag man den IG-Metallern zurufen. Bravo für den Mut zum Versuch des Neuen und gleichzeitigem Respekt vor der Tradition.

Allerdings: Der Preis, den die IG Metall für diesen Abschluss bezahlt, ist hoch. 1500 Menschen werden in Hannover weiter vergeblich darauf warten, dass ihnen ein Arbeitsplatz angeboten wird. Auf ihrem Rücken haben die Gewerkschaftsfunktionäre in der Nacht zum Dienstag dem VW-Modell zugestimmt. Mehr als 5000 Mark Lohn und eine Verkürzung der ursprünglich vorgesehenen Arbeitszeit: Das kostet das Unternehmen mehr Geld als geplant, und das wird wohl dafür sorgen, dass es letztlich bei den 3500 Jobs in Wolfsburg bleibt. Aus dem Markennamen 5000 mal 5000 ist am Ende das weniger attraktive 3500 mal 5000 geworden. Und die IG Metall? Sie hat zwar bewiesen, dass sie ihre einmal erkämpften Positionen verteidigen kann. Aber eben auch, dass sie eben doch noch immer eine Gewerkschaft der Arbeitsplatz-Besitzer ist.

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