Tarifeinigung bei der Bahn : Abschluss im Zeichen der Krise

Neues Personal kann manchmal helfen. Oder auch nur eine neue Rollenverteilung im Spiel eitler Männer. Schlimm waren die Folgen der Feindschaft vor anderthalb Jahren, als Hartmut Mehdorn (Vorstandsvorsitzender), Manfred Schell (GDL) und Norbert Hansen (Transnet) einen Tarifkonflikt eskalieren ließen.

Alfons Frese

Neues Personal kann manchmal helfen. Oder auch nur eine neue Rollenverteilung im Spiel eitler Männer. Schlimm waren die Folgen der Feindschaft vor anderthalb Jahren, als Hartmut Mehdorn (Vorstandsvorsitzender), Manfred Schell (Lokführergewerkschaft) und Norbert Hansen (Transnet) einen Tarifkonflikt eskalieren ließen. Neben der klassischen Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gab es damals auch noch einen „Kampf in der eigenen Klasse“, Lokführer gegen die übrigen Bahnmitarbeiter. In diesem Jahr ist fast alles anders. Schell genießt den Ruhestand, Hansen wechselte die Fronten und verhandelt jetzt im Bahnvorstand gegen seine alten Kollgen und Mehdorn hat den Mund gehalten in der diesjährigen Tarifrunde. Und die ist wirklich schon überstanden. Ein paar Stunden Warnstreik am vergangenen Donnerstag – das hat gereicht für einen Kompromiss.

Natürlich gibt es in der Krise keine zehn Prozent, wie Transnet gefordert hatte. Mit 2,5 Prozent in diesem Jahr sind es sogar deutlich weniger geworden; doch dafür entschädigt die fette Einmalzahlung im Dezember. Und im nächsten Januar gibt es weitere zwei Prozent. Bei einer geringen Inflationsrate von voraussichtlich nicht mehr als einem Prozentpunkt in den kommenden Monaten ist das so schlecht nicht. Das gilt auch für die Arbeitszeit. Vier Fünftel der Bahnbeschäftigten arbeiten im Schichtdienst. Im neuen Tarifvertrag ist nun festgeschrieben, dass es mindestens zwölf freie Wochenenden für die Schichtarbeiter gibt. Diese Festlegung war überfällig. Die Bahn ist ein Transport- und Serviceunternehmen, in dem die Beschäftigten – vor allem natürlich im Personenverkehr – ständig Kundenkontakt haben. Anständige Arbeitszeiten, faire Bezahlung und transparente Kontrollverfahren sind entscheidend für Arbeitszufriedenheit und Motivation der Bahner und damit Profil und Image des Unternehmens ingesamt.

Sicher ist der Abschluss für die Bahn teuer, aber der Rekordgewinn des letzten Jahres ist nicht vergessen, und die Tariferhöhung sollte auch von Mehdorn gesehen werden als eine Investition in die wichtigste Unternehmensressource: die Mitarbeiter. Im Übrigen läuft der neue Vertrag über 18 Monate. Bis zum Sommer nächsten Jahres ist also Ruhe. Viel Zeit für die Verbesserung von Service und Pünktlichkeit.

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