Teherans Atomprogramm : Heißer als der Kalte Krieg

Beim Iran bereiten sich der Westen und Russland darauf vor, dass der Fall, den sie „nicht akzeptabel“ nennen, eintritt

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Bei großen internationalen Treffen treten die Hauptdarsteller auf mindestens zwei Bühnen auf. Auf der einen wird die Fassung für die Öffentlichkeit gegeben, vor offenen Mikrofonen und laufenden Kameras. Die Handlung auf der anderen Bühne ist dem Publikum verborgen. Im Plenarsaal der Münchner Sicherheitskonferenz bekräftigten Außenminister und Rüstungsexperten ihre Entschlossenheit, den Iran am Bau der Atombombe zu hindern. In den Salons im Obergeschoss, wohin man sich zu diskreten Konsultationen zurückzieht, und beim traditionellen deutsch-amerikanischen Frühstück hat eine andere Debatte begonnen: Was tun, wenn Teheran sich durch noch so viel Druck nicht davon abbringen lässt?

Dann droht eine nukleare Rüstungsspirale im Mittleren Osten, darin sind sich die Fachleute einig. Und die wäre weit gefährlicher als die atomare Konfrontation im Kalten Krieg. Die Sorge ist nicht, dass die Mullahs in Teheran oder ihre Nachbarn so irrational wären, bewusst einen Atomkrieg anzufangen. Aber es gibt nicht mal ansatzweise die vertrauensbildenden Maßnahmen und Vorsorgemechanismen, auf die sich Ost und West einigten, um zu verhindern, dass sich die fatale Kette aus Erstschlag und Gegenschlag unbeabsichtigt in Gang setzt. Angstschweiß löst auch die Sorge aus, spaltbares Material könne in die Hände jener islamischen Extremisten geraten, denen der Iran heute schon Waffen liefert.

Der Auftritt des iranischen Außenministers Mottaki hat Amerikaner, Europäer und Russen darin bestärkt, dass Teheran auf Zeit spielt. China ist nicht bereit, harte Wirtschaftssanktionen mitzutragen – und selbst wenn Peking es täte, glaubt kaum jemand daran, dass der Iran sein Vorhaben deshalb aufgibt. Ein Militärschlag gilt als doppelt riskant: Der Erfolg ist ungewiss, die unbeabsichtigten Folgen sind schwer zu kalkulieren. Hinter den Kulissen bereiten sich der Westen und Russland darauf vor, dass der Fall, den sie „nicht akzeptabel“ nennen, eintritt.

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