• Telefonica protokolliert Fahrverhalten: Geschwindigkeitsverstöße werden direkt an Versicherung gefunkt

Telefonica protokolliert Fahrverhalten : Geschwindigkeitsverstöße werden direkt an Versicherung gefunkt

Der Mobilfunkbetreiber Telefonica verkauft in Spanien Module, die in Autos eingebaut werden und allerhand Daten erfassen - etwa die Geschwindigkeit. Diese Daten werden direkt an die Versicherungsgesellschaft gefunkt. Wo das hinführen soll? Bernd Matthies macht sich Gedanken.

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Raser haben bald kein leichtes Leben mehr: Eine Software des Mobilfunkbetreiber Telefonica überwacht Daten wie etwa die Geschwindigkeit und sendet diese direkt an die Versicherung.
Raser haben bald kein leichtes Leben mehr: Eine Software des Mobilfunkbetreiber Telefonica überwacht Daten wie etwa die...Foto: dpa/picture alliance

Die Drohung schwebt über uns in jedem anständigen Science- Fiction-Film, und nun hat sie auch einen zum Zeitgeist passenden Namen: M2M. Das steht für Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, wird vermutlich „emmtuemm“ ausgesprochen – und bedeutet, dass die Computer sich die Welt unterwerfen und uns Menschen nur noch ein wenig im Kreis hüpfen lassen, zu ihrem Amüsement und bis auf Weiteres.

Anlass? Der Mobilfunkbetreiber Telefonica verkauft in Spanien Module, die in Autos eingebaut werden und allerhand Daten erfassen: Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Nachtfahrten, solche Sachen. Diese Daten werden dann gleich an die Versicherungsgesellschaft Generali gefunkt. Das Ziel, wie ein deutscher Telefonica-Sprecher in feinstem Branchensprech sagt: „So können Risikogruppen besser eintarifiert werden.“ Deutschland ist schon im Visier.

Wer also mit dem Auto rast und ständig brutal in die Eisen geht, und das alles auch noch nachts, der bekommt dann später die Quittung in Form einer saftigen Nachtarifierung, das ist so, wenn die Computer miteinander kommunizieren. Wer dagegen ... Schon klar. Aber warum sollte sich jemand so etwas einbauen lassen? Weil er zu sparen hofft, vermutlich.

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Berliner Raser im Visier
Berliner Raser im Visier

Ein paar Jahre später schaut das anders aus: Dann müssen alle mitmachen, und die Autoversicherung war natürlich nur der Anfang. Denn nun können auch die Krankenkassen nachschauen, ob wir den erwünschten grünen Lebensstil verinnerlicht haben, viel zu Fuß durch die Natur wandeln, Bierkneipen und Fast-Food-Restaurants meiden, jeglicher Cola abschwören und, vor allem, früh ins Bett gehen (und mit wem).

Wenn sich die Lehrmeinungen in Sachen Vollwertkost oder Rotwein ändern, kann vermutlich auch das eingepreist und per Satellitenpeilung überprüft werden; wer schlau ist, gibt das AOK-Modul seiner bettlägerigen Oma, muss dann aber mit einem deftigen Aufschlag wegen unzulässiger Bewegungsarmut rechnen. Regeln alles die Computer.

Erfahrene Paranoiker wissen: Paranoid zu sein heißt nicht, dass man nicht verfolgt wird. Also ist es ziemlich sicher, dass die Maschinen, M2M, die Welt auf dem Umweg über die Versicherungstarife übernehmen, effizient, skrupelfrei. Seien wir nett zu unseren Versicherungsvertretern, bieten wir ihnen ein ungesundes Zigarettchen an. Etwas Besseres als die kommunizierenden Maschinen sind sie allemal.

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