Tennisspieler Nicolas Mahut : "Ich habe alles gegeben, was ich hatte"

Nicolas Mahut hat in Wimbledon das längste Match der Tennisgeschichte verloren. Der sensible Franzose hat viel durchgemacht - nicht nur in diesem Spiel.

Petra Philippsen

Nicolas Mahut konnte den Applaus nicht ertragen. Er packte eilig seine Sachen, schulterte seine Tennistasche und bahnte sich den Weg durch die gewaltige Menschenmenge, die sich dicht um Court 18 drängte. Er wollte nur noch weg. Doch Mahut wurde von einer Offiziellen des All England Lawn Tennis Clubs aufgehalten. Man hatte eine spontane Siegerehrung anberaumt, Mahut musste zurückkommen. Zurück auf den Platz, auf dem er über drei Tage lang das längste Match der Tennisgeschichte bestritten hatte, wo er nach insgesamt elf Stunden und fünf Minuten den wichtigsten Kampf seiner Karriere 4:6, 6:3, 7:6, 6:7 und 68:70 verloren hatte.

Irgendjemand überreichte ihm eine Kristallschale. Die Zuschauer johlten ebenso laut, wie sie es zuvor bei John Isner getan hatten, der dieses unglaubliche Match gewonnen hatte. Schon das war schlimm für Nicolas Mahut. Und dann auch noch das Foto vor der Anzeigetafel, die den unfassbaren Spielstand dokumentierte. Wie bei Sprintern, die den Weltrekord verbessert haben, sollten die Spieler posieren. „Bitte lächeln!“ Das schaffte Mahut nicht. Nie hatte er sich schlimmer gefühlt auf einem Tennisplatz.

Als sich Mahut endlich in die Kabine zurückziehen durfte, weinte der 28-Jährige bitterlich. Die ganze Erschöpfung entlud sich. Die der vorigen drei Tage. Aber auch die der vergangenen Jahre. Der sensible Franzose hat viel durchgemacht.

Als seine Mutter nach langer Krankheit an Krebs gestorben war, wollte er sich in den Sport flüchten. Doch schwierige Verletzungen, wie zuletzt an der Schulter, warfen ihn immer wieder zurück. Im Ranking stürzte der Franzose ab. Aufgeben aber kam nicht infrage. Seit er vor zehn Jahren den Juniorentitel in Wimbledon gewonnen hatte, träumte er von diesem magischen Ort. Auf dem traditionsreichen Rasen wollte er erfolgreich sein. So recht gelang das nie.

Umso mehr wollte Nicolas Mahut nun diesen irrwitzigen Marathon gegen John Isner gewinnen, um seine vielleicht letzte Chance zu nutzen, in die Annalen dieses Turniers einzugehen. „Ich habe alles gegeben, was ich hatte“, sagte Mahut später am Boden zerstört.

Und doch regte sich da etwas. Stolz. Stolz, Teil dieses „größten Matches bei dem bedeutendsten Turnier der Welt“ gewesen zu sein. Es wird noch ein wenig dauern, bis Mahut die ganze Tragweite begreift – dass ein solch episches Match keinen Verlierer kennt. Und John Isner erging es schließlich auch nicht viel besser: Er schied in der zweiten Runde aus.

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