Meinung : Termin mit der Macht

Wird Arnold Schwarzenegger Gouverneur von Kalifornien?

Moritz Schuller

Ich glaube“, sagte der Kandidat, „dass es den Kaliforniern gut gefallen würde, von jemandem regiert zu werden, der Müll unters Volk bringt.“ Der Pornoverleger Larry Flynt meint sich selbst, nicht seinen Konkurrenten Arnold Schwarzenegger. Dabei könnte die Beschreibung auch auf ihn zutreffen: Der mehrfache Mister Universum, der Barbar und Terminator, steigt in die Politik ein – und alle jubeln. Schwarzenegger will seinem Schauspielkollegen Ronald Reagan nachfolgen und Gouverneur von Kalifornien werden.

Der muskelbepackte Außenseiter Arni will aufräumen in einem Staat, der pleite ist: das Platzen der Internetblase reduzierte die Steuereinnahmen auf ein Drittel. Kalifornien hat mehr Schulden als alle übrigen Bundesstaaten zusammen. Doch Schwarzenegger ist Republikaner, und Kalifornien ist schon lange nicht mehr das Land von Nixon und Reagan. Der Staat ist demokratisch, durch und durch. Mit Leichtigkeit überstimmen die friedliebenden Streisands dort die Waffen tragenden Hestons. Den Großraum Los Angeles räumte 2000 sogar Al Gore mit 64 Prozent ab. Im krawattenlos-esoterischen, im easy-riderischen, im sonnigen und bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien herrschen die Demokraten. Noch, denn seitdem die Energiepolitik ihres Gouverneurs Davis tagelange Stromausfälle zur Folge hatte, ist klar: Davis, gegen den derzeit ein Abwahlverfahren läuft, hat keine Chancen mehr.

„Ich bin ein Einwanderer“, sagte der geborene Österreicher Schwarzenegger, und seine Chancen könnten wachsen, wenn es ihm deshalb gelingt, die eingewanderten Latinos für sich zu gewinnen. Dafür sind mediale Talente allemal wichtiger als große Erfahrung im Politgeschäft. Einmal erst war Schwarzenegger politisch aktiv: als Gesundheitsberater für Vater Bush.

Zeitgleich zu Schwarzeneggers Bewerbung via Fernsehen gab Dianne Feinstein, die geachtete demokratische Senatorin des Staates, endgültig bekannt, dass sie nicht auch antreten wolle. Was vermeintlich die Aussichten des Filmhelden verbessert – Feinstein führte mit ihm die Umfragen an. Doch das wird möglicherweise den Druck auf die demokratische Partei erhöhen, einen neuen, seriösen Kandidaten zu benennen, bevor am Sonnabend die Listen geschlossen werden. Jemand, der weder Pornoverleger noch Schauspieler ist. Das ist in Kalifornien aber offensichtlich nicht ganz einfach.

N 1 UND 5

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