Terror in Spanien : Ein alter Hass

Warum dieser Irrsinn der Eta? Die Terrororganisation aus dem nordspanischen Baskenland, behauptet, dass Spanien noch immer eine "Diktatur" sei und die Baskenregion noch immer, wie unter General Franco, vom spanischen Staat unterdrückt.

Ralph Schulze

Ein wahnsinniger Terrorkrieg, ohne Sinn und Verstand. Gegen Spanien, jenes demokratische, moderne und weltoffene Königreich, das jedes Jahr über 50 Millionen ausländische Urlauber außerordentlich gastfreundlich aufnimmt. Ein Land, das nach dem Ende der Franco-Diktatur einen bewundernswerten Aufstieg zu einem bedeutenden, verlässlichen Partner der EU vollzog. Ein Land, das bei gesellschaftlichen Reformen, der Gleichberechtigung von Frauen zum Beispiel, sogar viele europäische Nachbarn überholte.

Warum also immer noch dieser Irrsinn der Eta, einer Terrororganisation aus dem nordspanischen Baskenland, die behauptet, dass Spanien noch immer eine „Diktatur“ sei und die Baskenregion noch immer, wie unter General Franco, vom spanischen Staat unterdrückt werde? Weil der Extremistenbewegung das Märchen vom unterdrückten Baskenland Einfluss und Macht sichert. Denn die Eta ist keineswegs nur eine kleine Gruppe von Terroristen. Die Eta ist eine Mafia, die viel Geld mit Drogenschmuggel, Waffengeschäften und Schutzgelderpressung verdient. Und die von einem Hass gegen Spanien lebt, den nicht wenige der Basken teilen.

Falsche Vorstellungen von einem nahen und schnellen Sieg gegen den Eta- Terror sollten also nicht aufkommen: Die Bande aus dem Baskenland besteht aus mehreren hundert gewaltbereiten und bewaffneten Extremisten, die von mehreren tausend logistischen Helfern unterstützt werden. Die wiederum wissen annähernd 100 000 politische Aktivisten aus dem Umfeld der inzwischen verbotenen Eta-Parteien hinter sich. Deswegen geht der Eta bis heute, trotz aller polizeilichen Gegenschläge, der Nachwuchs nicht aus. Auch wenn die Luft langsam dünner wird und die Zahl der Mitläufer 50 Jahre nach Gründung der Eta langsam abzunehmen scheint. Das lässt, langfristig, auf friedlichere Zeiten hoffen.

Immer noch kommt es der Propaganda der fanatischen Separatisten zugute, dass es Spaniens Demokratie bis heute nicht geschafft hat, die dunkle Franco-Vergangenheit, im Baskenland wie auch im restlichen Spanien, aufzuarbeiten. Francos Massenmorde an Regimegegnern, die systematische Verfolgung hunderttausender Oppositioneller sind bis heute ein großes politisches Tabu. Eine politische und strafrechtliche Aufarbeitung findet auch unter Spaniens reformfreudigen Regierungschef, dem Sozialdemokraten Jose Luis Zapatero, nicht statt.

Die eigenwilligen Basken wurden damals besonders brutal verfolgt: Sie wurden von Francos Polizei geschlagen, wenn sie ihre baskische Sprache benutzten, gefoltert oder gleich an die Wand gestellt, sofern sie sich des Widerstands gegen die Diktatur verdächtig machten. Diese Erinnerung nährt bis heute die Abneigung vieler Basken gegen Spanien.

So wird Spanien derzeit auch von der Franco-Zeit eingeholt. Ein Anachronismus des Wahnsinns, der Spanien, nach dem islamistisch motivierten Terrorismus, das größte Sicherheitsproblem der Europäischen Union beschert. Und das in einer Zeit, in der Spanien ohnehin schon mit einer tiefen Wirtschaftskrise kämpfen muss, die mit 20 Prozent Arbeitslosen noch heftiger ist als im restlichen Europa. Dem Land stehen also in jeder Hinsicht schwierige Zeiten bevor. Umso wichtiger wird es sein, dass Spanien in diesen Tagen nicht alleingelassen wird. Die Erfahrung hat gelehrt, dass sich der Kampf gegen den Terrorismus nur mit internationaler Kooperation und Solidarität gewinnen lässt. Das gilt auch für den Kampf gegen die Eta.

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