Terrorverdächtige in Deutschland : Effektiv schützen, nicht nach Effekten haschen

War angesichts der Festnahmen der Terrorverdächtigen verkehrt, die Sicherheitsvorkehrungen wieder herunterzufahren? Nein, diese Männer sind seit Monaten auf Schritt und Tritt überwacht worden..

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Die Nachricht hinterlässt ein mulmiges Gefühl: Terroristen sind in Deutschland unterwegs. Sie wollten eine Bombe bauen, deren Ausführung sich verdammt nach dem Modell anhört, das gerade in Marrakesch so viele Menschen in einem Café zerfetzt hat. Wohl niemand außer irregeleiteten Tätern mag sich ein derartiges Szenario vor der eigenen Haustür vorstellen. Und doch wissen eigentlich alle, dass es irgendwann passieren kann. Denn natürlich ist Deutschland keine Insel auf der Welt, die Terroristen verschonen. Glaubt man den Sicherheitsbehörden, ist einer der Täter ausdrücklich beauftragt worden, hier aktiv zu werden.

War es also verkehrt, die Sicherheitsvorkehrungen wieder herunterzufahren, wie mancher Kritiker jetzt sagt? Wenn man das Ergebnis betrachtet, wie es sich heute darstellt, muss die Antwort wohl lauten: nein. Denn diese Männer, die den Terror offenbar in einen deutschen Bus, auf einen Marktplatz oder in ein Konzert tragen wollten, sind seit Monaten auf Schritt und Tritt überwacht worden. Die Sicherheitsbehörden haben sie im Auge gehabt und die Verdächtigen nun verhaftet – offenbar hatten sie die Befürchtung, Marokko könnte als eine Art Zünder für deren Aktion dienen. Auch, wenn so offenbar nicht alle Beteiligten gefasst werden konnten.

Deutsche Sicherheitsbehörden sind sich der Bedrohung bewusst. Aber sie arbeiten heute ohne allzu viele öffentliche oder gar aufgeregte Warnungen. Diese Art des Umgangs mit der Gefahr, die nicht zuletzt mit dem früheren Innenminister Thomas de Maizière verbunden ist, tut dem Land und den Menschen gut. Ständig mehr schwer bewaffnete Polizisten an noch mehr Orten würden kaum das Sicherheitsgefühl erhöhen, sondern eher ein Gefühl ständiger Angst verbreiten. Wachsamkeit ist nötig, aber sie darf durchaus dezent, scheinbar im Hintergrund geschehen. Was zählt, ist Effektivität, nicht Effekthascherei. Alles andere hinterließe ein ungutes Gefühl.

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