Teuer, schmutzig, gefährlich : Trotz Energiewende: Deutschland, das Land der Braunkohle

Die bisherige Bilanz der Energiewende in Deutschland ist erbärmlich, meint unser Autor. Denn wir verfeuern immer mehr Braunkohle, obwohl kein anderer Brennstoff mehr Treibhausgase verursacht.

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In Deutschland wird immer mehr Braunkohle verfeuert, obwohl kein anderer Brennstoff mehr Treibhausgase verursacht.
In Deutschland wird immer mehr Braunkohle verfeuert, obwohl kein anderer Brennstoff mehr Treibhausgase verursacht.Foto: dpa

Das haben wir uns etwas anders vorgestellt. Eigentlich sollte die Energiewende, diese weltweit einzigartige Neuausrichtung der Stromerzeugung mit dem Abschied aus der Atomkraft und dem massiven Ausbau Erneuerbarer, schnurstracks in die Zukunft führen. Tatsächlich sind wir in der DDR gelandet: Im vergangenen Jahr wurde hierzulande so viel Braunkohle verbrannt wie seit 1990 nicht mehr – damals noch inklusive alter DDR-Kraftwerke. Offensichtlich läuft die Energiewende in verschiedenen Richtungen: Der Erfolg der erneuerbaren Energien ist enorm, aber ihr Anteil an der Stromerzeugung liegt noch immer unter dem der schmutzigen Braunkohle. Das ist schlecht für das Klima, denn kein anderer Brennstoff verursacht so viel Treibhausgase. Und beinahe typisch für eine Energiepolitik, die an den eigenen Widersprüchen zu scheitern droht.

Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sind die drei Ziele der deutschen Energiepolitik. Klimaschutz mit immer mehr Braunkohle geht nicht. Eine sichere Versorgung ohne Kernkraftwerke und ohne Kohlekraftwerke geht aber auch nicht. Und die Bezahlbarkeit? Wirtschaft und Verbraucher stöhnen zunehmend unter den steigenden Strompreisen; voraussichtlich gut 23 Milliarden Euro sind in diesem Jahr für die Förderung des grünen Stroms fällig. Die vorläufige Bilanz der Energiewende: teuer, schmutzig und bisweilen auch noch gefährlich für die Stabilität des Stromnetzes.

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Braunkohle ist der einzige Brennstoff, von dem es in Deutschland reichlich gibt

Ohne die guten Absichten der ökologisch motivierten Energiewende wäre der aktuelle Erfolg der Braunkohle nicht denkbar: Kohlekraftwerke liefern zuverlässig Strom, unabhängig von Windstärken oder Sonnenstunden; vergleichsweise saubere Gaskraftwerke rechnen sich nicht mehr wegen des Erfolgs der Erneuerbaren; der Preis für die Verschmutzungsrechte ist dramatisch gefallen, Gegenmaßnahmen blieben auch deshalb aus, weil sich die frühere schwarz-gelbe Regierung nicht einigen konnte. Schließlich ist Braunkohle der einzige Brennstoff, von dem es in Deutschland reichlich gibt. Möglichst große Unabhängigkeit von den Scheichs (Öl) und den Russen (Gas) gewährleistet nur die Kohle. Und das gilt, trotz der Erneuerbaren, „auf absehbare Zeit“ (Koalitionsvertrag).

Technologien, die Braunkohle hätten "sauberer" machen können, wurden im Keim erstickt

Die schmutzige Kohle sauberer machen kann die CCS-Technologie, indem bei der Verbrennung CO2 abgetrennt und anschließend unterirdisch gespeichert wird. Dagegen gab es Proteste in der Bevölkerung, die Politik knickte ein und begrub diese Option bereits im Entstehungsprozess.

Aber nun gibt es eine große Koalition mit einem Wirtschafts- und Energieminister, dem alles zuzutrauen ist. Am Dienstag weilte Sigmar Gabriel in Brüssel, um bei der Kommission um Verständnis zu werben für den deutschen Sonderweg: Unternehmen, die viel Strom verbrauchen und im internationalen Wettbewerb stehen, werden von den Kosten der Ökostromförderung ausgenommen. Richtig so. Sollte die EU dieses Schutzprivileg für die Industrie verbieten, wäre die Energiewende am Ende.

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