Meinung : Teufel Alkohol

„CDU-Politiker Schockenhoff gesteht Alkoholprobleme ein“ vom 8. Juli

Hut ab vor dem CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff. Natürlich ist er nicht der Einzige im Politikbetrieb, der sensibel auf den Giftstoff Ethanol reagiert und daher eine Alkoholabhängigkeit entwickelt hat. Im Vergleich zu seinem mutigen Outing wirken die üblichen ausgrenzenden Reaktionen geradezu kindisch und ignorant gegenüber den Tatsachen. Schon im 16. Jahrhundert galten insbesondere Deutsche als unverbesserliche Saufbolde. In der Reichspolizeiordnung von 1521 findet sich die Aussage, dass das Abstellen des exzessiven Alkoholkonsums bei den „minderen“ Ständen unmöglich ist, solange die Obrigkeit selbst exzessiv trinkt. Das Argument des Alkoholkonsums als kulturelle Tradition zieht spätestens seit Emil Kraepelin nicht mehr, der sich für eine abstinente Lebensweise entschied und in seinen Lebenserinnerungen 1983 feststellte, dass „eigentlich kein vernünftiger Anlass zum Trinken auffindbar sei. Diese Erfahrung machte deswegen auf mich Eindruck, weil ich bis dahin die Nützlichkeit, ja Unentbehrlichkeit des Alkoholgenusses für unbestritten gehalten hatte.“ Hoffentlich bleibt Schockenhoff nach seiner Genesung dem Politikbetrieb erhalten – er wäre ein Spiegel für diejenigen, die den Anschein erwecken, der Rausch berechtige zu Hemmungslosigkeit und befreie von Verantwortung.

Susanne Baumstark, Koblenz

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