Theater : „Ein bisschen Mut muss man zeigen“

Der Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, Uwe Eric Laufenberg, inszeniert Rushdies „Satanische Verse“. - Ein Höllenfahrtskommando?

Patrick Wildermann

Es klingt nach einem Höllenfahrtskommando, ausgerechnet Salman Rushdies „Satanische Verse“ auf die Bühne zu bringen, jenes Buch also, über dessen Inhalt weit weniger diskutiert wurde, als über die Fatwa, die es seinem Autor durch islamische Fundamentalisten eintrug. Uwe Eric Laufenberg aber, Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters und Regisseur der Rushdie-Inszenierung, wirkt gelassen. Er hat gerade die Generalprobe hinter sich gebracht. Erst seit vier Tagen, erzählt er, seit eine Boulevardzeitung das Thema aufgriff, häuften sich die Anfragen. Dass manche in der Wahl des Stoffes eine gezielte Provokation sehen könnten, ficht ihn nicht an. Die Provokation bestünde allenfalls darin, so Laufenberg, dass „ein großes Kunstwerk endlich einmal angeschaut und angehört“ werde.

Am Anfang dieses Projekts stand auch nicht der Wunsch nach Aufmerksamkeit, sondern die Entscheidung, Goethes „Faust I“ zu inszenieren. Und eigentlich sollte darauf, logisch, „Faust II“ folgen, gekrönt, „als Faust III“, wie Laufenberg scherzt, von den „Satanischen Versen“. Allesamt, auf ihre Art, kolossale Teufelswerke. Mit der Tragödie zweitem Teil aber quälte sich der 47-Jährige nach eigenem Bekunden nur und verzichtete lieber. Bei Rushdie hingegen fand er Humor, auch eine enorme theatralische Qualität. So steht am Wochenende eine in jeder Hinsicht spannende Doppelpremiere an – am Samstag „Faust I“, am Sonntag die „Satanischen Verse“ als Uraufführung. Salman Rushdie, der bei der Rechtevergabe sehr entgegenkommend gewesen sein soll, ist selbstverständlich eingeladen. Er wird jedoch aller Voraussicht nach nicht erscheinen.

Noch frisch ist die Erinnerung an die Aufregung, die um die Absetzung von Mozarts „Idomeneo“ an der Deutschen Oper in Berlin tobte. In Laufenbergs Augen „eine Kulturfarce sondergleichen“. Er will nicht über Kollegen urteilen, über die eigene Arbeit aber sagt er: „Ein bisschen Mut muss man als Künstler schon zeigen.“ Und den beweist er zweifellos.

Seit 2004 leitet Laufenberg die Geschicke des Hans-Otto-Theaters, im kommenden Jahr verlässt er sein Büro mit Blick auf den Tiefen See, um in Köln, wo er geboren wurde, ab der Spielzeit 2009/ 2010 die Intendanz der Oper zu übernehmen. Gelernt hat er das Schauspielerhandwerk, auf der Folkwanghochschule in Essen, worauf Engagements in Darmstadt und Frankfurt folgten. Am Main entstanden auch die ersten eigenen Regiearbeiten, heute blickt Laufenberg auf über 70 Inszenierungen in den Sparten Schauspiel und Musik zurück, nach wie vor tritt er außerdem selbst auf.

Er wolle „Geist und Gefühl der Zuschauer gleichermaßen anregen“, hat Laufenberg über seine Arbeit gesagt. Das Wochenende wird zeigen, ob ihm das einmal mehr gelingt.

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