Theresa May: : „Ich hoffe auf fantastische Spiele“

Das Gelächter im Unterhaus erträgt sie elegant. Doch die Bewährungsprobe steht Theresa May erst noch bevor. Ein Porträt.

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Foto: Reuters
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Der Job eines britischen Innenministers ist, wie Eingeweihte sagen, eine „Elefantenfalle“. Rein statistisch betrachtet ist es wahrscheinlich, dass die amtierende Ministerin Theresa May demnächst stürzt. Zumindest bis nach den Spielen dürfte sie aber sicher sein. Nicht wegen der geschmeidigen Art, mit der die „Katzenfrau“ , wie man sie nennt, noch auf den höchsten Pfennigabsätzen ein Schlupfloch in jeder Kontroverse findet, sondern weil der Sturz nie während, sondern immer nach der Krise erfolgt.

Olympia steht vor der Tür. Die Sicherheitsfirma G4S behauptete, für Sicherheitskontrollen und Ordnungsdienste in den Spielstätten 10 000 Mitarbeiter angeworben und gar ausgebildet zu haben, aber viele erschienen offenbar einfach nicht zur Arbeit. Nur 4200, so der Chef der Firma gestern bei einer Vernehmung durch die Abgeordneten, seien bisher aufgetaucht.

Jetzt regeln kampferprobte Soldaten in Khaki den Olympiaverkehr, und Abgeordnete und Presse haben Zeit, sich um die Schuldfrage zu kümmern: Wer war inkompetenter, G4S oder Theresa May?

Die Mängel von G4S hätten sich schon vor Monaten abgezeichnet, wird behauptet. Offenbar pfiffen es die Spatzen von den Dächern. „Alle“ hätten gewusst, dass G4S Probleme habe, sagt sogar Tory-Bürgermeister Boris Johnson. Nur May und G4S-Chef Nick Buckles wollen es erst letzten Mittwoch erfahren haben. Von einem „Täuschungsmanöver“ der Sicherheitsmanager könne nicht die Rede sein, beharrt May im Unterhaus. Nur mit der kaltblütigen Geschmeidigkeit einer Theresa May kann man solches Gelächter im Unterhaus überleben. „Die Spiele“, rief sie den Labourbänken fast drohend zu, „sind die Verantwortung von uns allen, und ich hoffe, dass alle fantastische Spiele haben werden.“

Mays Problem: Sie musste dem Unterhaus schon wegen des Chaos bei den Grenzkontrollen Rede und Antwort stehen. Hatte sie zu schnell zu viele Grenzer gefeuert, um zu sparen? Überall fehlte Personal, Warteschlangen an den Flughäfen, ungeduldige Reisende, die Zahl derer, die ohne Kontrolle oder illegal ins Land kommen, steigt. Dabei hatte sich May bereits mit den Polizeigewerkschaften wegen Haushaltskürzungen angelegt. Sie will mehr Polizeidienste privatisieren und an private Vertragspartner übergeben – wie G4S.

Es ist eben nicht so einfach, radikale Sparmaßnahmen und den Ruf der Wähler nach Recht und Ordnung unter einen Hut zu bekommen. Matthias Thibaut

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