Thilo Sarrazin : Abgewatscht

Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ist immer streitbar und treibt mit seinen Ideen nicht nur seine Genossen teilweise in den Wahnsinn. Ohne ihn wäre es langweiliger. Von Ulrich Zawatka-Gerlach

Was wäre, wenn wir ihn nicht hätten? Den Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, seit sechs Jahren im Amt. Immer streitbar, stets gut für originelle Ideen, mit denen er nicht nur seine Genossen in den Wahnsinn treibt. Es wäre langweiliger in Berlin, wäre Sarrazin nicht da. Jetzt holt er zum neuen Schlag aus: Kindergeld erst ab dem dritten Kind, für die beiden ersten Nachkömmlinge reicht der Steuerfreibetrag. Als Finanzpolitiker darf man so effektiv denken, aber auch als Sozialdemokrat? Offenbar nicht. Dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ist nun offiziell der Kragen geplatzt, er rüffelt den Parteifreund als instinktlosen Außenseiter. Ein grobes Geschütz. Aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Und weil Sarrazin Nehmerqualitäten hat, wird er sich kurz schütteln – und weitermachen wie bisher. Als absolut unabhängiger Querkopf, dem der Erfolg der vergangenen Jahre als bundesweit bekannter Haushaltskonsolidierer den Rücken stärkt. Und kurz vor der Pensionsgrenze, wer will ihm da drohen? Dieser Finanzsenator gehört zu denen, die sich ihren Abschied selber organisieren. Vielleicht noch 2009, vielleicht erst 2011. Bis dahin bleibt er starker Mann – und zugleich ein Problemfall für Rot-Rot. za

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