Thilo Sarrazin : Liebling Kassenwart

Besser erster Buhmann in Berlin statt woanders zweite Geige: Nie war Sarrazin so wertvoll für die Hauptstadt wie heute

Gerd Nowakowski

Seit geraumer Zeit wird spekuliert, dass Thilo Sarrazin nach anderen Aufgaben schielt. Lange war von einem Posten bei der Bundesbank die Rede, jetzt ist er als Mitglied des Bankenrettungsausschusses im Gespräch. Doch in ein Gremium zu wechseln, wo er erstens nur einer unter drei Mitgliedern ist und zweitens die wirklich wichtigen Entscheidungen woanders, nämlich im Lenkungsausschuss, fallen – das sollte für ihn wenig reizvoll sein. Besser erster Buhmann in Berlin statt woanders zweite Geige. Für den Finanzsenator, der durchaus die Öffentlichkeit liebt, sollte seine aktuelle Tätigkeit attraktiver sein. Außerdem: Nie war Sarrazin so wertvoll wie heute für Berlin. Der eiserne Kassenwart, der weder vor harten Sparmaßnahmen noch vor zuweilen verletzend-harten Worten zurückschreckt, hat den Berliner Haushalt zwar nachdrücklich auf Sanierungskurs gebracht. Doch mit der internationalen Finanzkrise steht die nächste Sparrunde ins Haus. Da kann sich Sarrazin Prügel vom politischen Gegner wie von den spendierwilligen eigenen Genossen holen, aber auch neue Verdienste für die Stadt erwerben. Klaus Wowereit wird wissen, was er an seinem Kettenhund hat.

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