Thomas Gottschalk : "Ich bin der Einzige, der redet und baggert"

Geht nun auch Gottschalk? Er muss nicht, findet Joachim Huber. Aber er muss den richtigen Zeitpunkt für seinen Abgang erwischen.

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Ja, servus! Ja, grüß Dich! Jahrzehntelang sind Thomas Gottschalk und die ZDF-Show "Wetten, dass ...?" eng miteinander verbunden.
Ja, servus! Ja, grüß Dich! Jahrzehntelang sind Thomas Gottschalk und die ZDF-Show "Wetten, dass ...?" eng miteinander verbunden.Foto: dapd

Neider schimpfen Thomas Gottschalk den „Hosni Mubarak des deutschen Unterhaltungsfernsehens“. Der Abgang des Pharao sei mindestens so dringlich wie der Rückzug des Showmasters, das Unterdrückungsregime so überkommen wie der Unterhaltungsterror. Mubarak ist zurückgetreten, Gottschalk nicht. Muss er nicht, seine ZDF-Sendung „Wetten, dass …?“ ist auch in ihrem 30. Sendejahr die erfolgreichste Unterhaltungsshow im deutschen Fernsehen. Es ist vor allem seiner Moderation zu verdanken, dass die Show ihre schwerste Krise überstehen wird. Im Dezember war der Wettkandidat Samuel Koch schwer gestürzt, dem 23-Jährigen droht eine fortwährende Lähmung. Gottschalk hat diese Live-Situation gemeistert, souverän wie ein Fernsehprofi, betroffen wie ein Vater (der er mit zwei Söhnen auch ist). Heute geht „Wetten, dass …?“ weiter, Gottschalk wird die richtigen Worte finden.

Es ist dem Ehrenbürger von Kulmbach gegeben, Menschen aus allen Himmelsrichtungen zu integrieren, auch in kippligen Momenten. So eine war, als Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis das Medium als oberflächlich in Grund und Boden donnerte. Moderator Gottschalk konnte es nicht verhindern, aber er holte sich Reich-Ranicki zum anschließenden Gespräch in die Konsensecke. Er gibt keinen fürs Unterhaltungsfernsehen verloren.

Der trotz seiner 60 Jahre ewig blonde, juvenile Thomas Gottschalk bewegt sich auf der Sonnenseite des Lebens. Schon seine Radiosendung „Pop nach acht“ sprühte vor guter Laune, lockeren Sprüchen und eingängiger Musik. Das Fernsehen, das ZDF wartete schon, Engagements für RTL und Sat 1 blieben nebensächlich. 1984 kam die Lebensaufgabe – „Wetten, dass …?“ 144 Mal hat er moderiert, gewandet wie ein Zirkusdirektor, ein bisschen sexistisch, stärker im Spontanen als in der Vorbereitung. Die Einleitung der Baggerwette war die Beschreibung seines Leistungsprofils: „Der deutsche Baggerfahrer baggert und redet nicht. Ich bin der Einzige, der redet und baggert.“

Thomas Gottschalk will die ganz große Show, er bekommt die Weltstars, weil er, der Mann mit Wohnsitz in Kalifornien und im Schlösschen am Rhein, diese Statur hat – im deutschen Maßstab ist er ein Weltstar. „Wetten, dass …?“ und der Moderator, sie halten sich auf Kurs. Beide sind in der Abenddämmerung. Jetzt kommt Gottschalks größte Herausforderung – den richtigen Zeitpunkt für den Abgang zu erwischen.

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