Thomas Roth wird "Tagesthemen"-Moderator : „Das Erzählen von wahren Geschichten“

Er ist ein abenteuerlustiger Journalist, der aus Moskau, Südafrika und New York berichtet hat. Jetzt wird Thomas Roth Anchorman der ARD. Ein Porträt

von
ARD-Journalist Thomas Roth.
ARD-Journalist Thomas Roth.Foto: dpa

Das habe er sich schon als Student gewünscht, sagte Thomas Roth. Nein, er meinte damit nicht seine künftige Aufgabe als Anchorman der „Tagesthemen“ in Hamburg, der Journalist sprach von seiner Korrespondenten-Tätigkeit in New York. In der glitzernden, quicklebendigen US-Metropole arbeitet er seit 2008, im Juli wird er zum ARD-Nachrichtenmagazin wechseln. Thomas Roth ist 61, und es ist keine kühne Prophezeiung, dass er dort den Schlussstein seiner öffentlich-rechtlichen Karriere setzen wird.

Der gebürtige Heilbronner volontierte nach einem Studium der Anglistik und Germanistik in Heidelberg beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, wenig später tauschte er den Hörfunk gegen das Regionalfernsehen ein. Nur kurz blieb er dort, er wollte raus, er wollte aus aller Welt fürs deutsche Fernsehpublikum berichten. Zielgerichtet suchte er dabei die Nahtstellen des Geschehens, mehrfach war er Zeuge politischer Umwälzungen. Aus Kairo reportierte er über den Krieg zwischen Iran und Irak, von 1988 bis 1991 begleitete er als ARD-Korrespondent in Johannesburg den Apartheid-Konflikt in Südafrika bis zur Freilassung Nelson Mandelas. Danach und nur unterbrochen von drei Jahren wenig geglücktem WDR-Hörfunkdirektorat zwischen 1995 und 1998 leitete er das ARD-Studio Moskau. In den zehn Jahren hat er über das Zerfasern der Sowjetunion in die GUS-Staaten inklusive einem Putschversuch gegen Gorbatschow und dem Tschetschenienkrieg berichtet. In seinem filmischen „Russischen Tagebuch“ schilderte er die Lebenssituation einer Gesellschaft zwischen Aufbruch und Verunsicherung. Der abenteuerlustige Roth löste sein Credo, dass Journalismus das „Erzählen von wahren Geschichten“ sei, mit intensiven Bildern und fein formulierten Texten ein.

Im Mai 2002 löste er die Weite seiner TV-Korrespondenz gegen das Karree des Regierungsviertels in Berlin ein, als er Leiter des ARDHauptstadtstudios wurde. Mit seiner Moderation des „Berichts aus Berlin“ gab er der Distanz und Neutralität, wie er den Vorteil des von außen Kommenden beschrieb, Gesicht und Stimme. 2007 ging er erneut nach Moskau, um 2008 in der Stadt seiner Studententräume anzukommen. Jetzt also Hamburg, als Vorarbeiter in der ARD-Nachrichtenfabrik und Verkäufer der Themen des Tages. Der zwei Mal geschiedene Vater zweier Töchter wird es niemand merken lassen, mit welcher Wehmut er New York verlassen hat.

Autor

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben