Tier-Rassismus : Warum wir Pferde privilegieren

Pferde betrachten viele als Freund. Man achtet auf ihre Bedürfnisse, man isst ihr Fleisch nicht. Ob ein Tier in Deutschland als Pferd oder als Kuh geboren wird, macht einen riesigen Unterschied, was die Chance auf ein Leben ohne Qual betrifft.

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Tiere werden sehr unterschiedlich behandelt, je nachdem, zu welcher Rasse sie gehören.
Tiere werden sehr unterschiedlich behandelt, je nachdem, zu welcher Rasse sie gehören.Foto: dpa

Ich möchte ein neues Wort in die Debatte einführen: Tier-Rassismus. Tiere werden sehr unterschiedlich behandelt, je nachdem, zu welcher Rasse sie gehören – wobei ich das Wort „Rasse“ zur Verdeutlichung benutze, ich weiß, dass es oft um Arten, Gattungen und so weiter geht.

Besonders groß ist der Rassismus bei Pferden und Kühen. Beide Tiere sind sich recht ähnlich, keines ist viel hässlicher oder viel dümmer als das andere. Eine Milchkuh sperren wir in einen kleinen Stahlkäfig und melken sie in ein paar Monaten zu Tode, dann wird ihr, wenn sie Pech hat, bei lebendigem Leib das Fell abgezogen, so etwas kommt in Schlachthöfen hin und wieder vor. Das Fleisch finden wir dann appetitlich. Pferde betrachten viele als Freund, auf deren Bedürfnisse man achtet und deren Fleisch man nicht isst. Ob ein Tier in Deutschland als Pferd oder als Kuh geboren wird – ein riesiger Unterschied, was die Chance auf ein Leben ohne Qual betrifft. Klar, auch ein Pferd kann Pech haben.

Die unterschiedliche Behandlung von Pferd und Kuh hat mit unserer Kultur und Geschichte zu tun, einen objektiven Grund dafür gibt es nicht. Manche lächeln über Muslime, die Hunde und Schweine für unrein halten. Wir dagegen behandeln – meistens – Hunde als unsere Kumpel, und Schweine wie Abfall (den wir dann allerdings essen). Ist das vernünftiger?

Ich bin übrigens kein Vegetarier, und mir ist klar, dass Fleischerzeugung nicht so romantisch funktionieren kann wie ein Bauernhof in Bullerbü. Ich halte auch Menschen für wichtiger als Tiere, natürlich tue ich das. Aber deswegen müssen einem Tiere nicht gleichgültig sein. Es wäre ohne Weiteres möglich, sie besser zu behandeln. Es ist eine Frage der Kultur.

„Pferdefleisch-Skandal“? Noch ist nicht einmal klar, ob irgend jemandem durch dieses Fleisch ein gesundheitlicher Schaden entstanden ist, abgesehen von Ekelgefühlen, die ich nicht verharmlosen möchte. Es geschehen allerdings jeden Tag in den Schlachthöfen und den Tierfabriken Dinge, die jeder, meiner Ansicht nach, sehr viel ekliger finden müsste. Bei dem alltäglichen Fleischskandal geht es im Grunde um ähnliche Themen wie in der Bankenkrise und in der Sexismusdebatte, es geht um maßloses Gewinnstreben und unanständiges Verhalten.

Bei der jüngsten Novellierung des Tierschutzgesetzes, vor ein paar Wochen, hatten die Pferde ein bisschen Pech, obwohl sie zu den privilegierten Rassen gehören. Brandzeichen bleiben erlaubt. Die Tierschützer wollten stattdessen Chips, zur Kennzeichnung. In der Debatte meldete sich, laut „Spiegel“, seltsamerweise der Außenminister zu Wort. Guido Westerwelle ist dafür, dass Brandzeichen erlaubt bleiben. Sein Lebenspartner organisiert das „Weltfest des Pferdesports“ in Aachen.

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