Meinung : Tierseuchen: Ansteckende Politiker

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Großbritannien wirkt plötzlich ganz klein, die Inseln scheinen von einer Flut an Problemen umtost zu sein. BSE, die Maul- und Klauenseuche, das Eisenbahn-Unglück, das wirklich bedrohlich schlechte Wetter - selbst der Brite, der gemeinhin bei Katastrophen zur Zurückhaltung in Gefühlsäußerungen befähigt ist, neigt jetzt zur Depression. Und - nicht, dass dies direkt zu den diversen Schadensfällen zählte - auch der Urnengang wird zu einem anderen Termin stattfinden. Jedenfalls mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Wahl später ins Jahr hinein verschoben wird. Was allerdings nicht bedeutet, dass Premierminister Tony Blair mit dem Wahltermin jonglieren möchte, bis ihm seine Chancen am besten erscheinen. Das hat bei den Briten zwar Tradition, aber selbst das sich ausbreitende Gefühl, dass alles schief läuft und keiner mit genügend Autorität hilft, schmälert Blairs Vorsprung in Umfragen nicht. Vielmehr ist daran die Konsequenz der Unglücksmeldungen abzulesen: Die Wahlkämpfer können wegen der Seuchen und der Verbreitungsgefahr nicht einfach herumreisen, ihre Besuche machen, auf dem Land für sich werben. Wo inzwischen Städter zuhause bleiben und Bauern Demonstrationen absagen, da sprechen selbst die Briten von Panik. Ein annus horribilis also - nur nicht für den Regierungschef. So schwach ist die konservative Opposition. Auch die in Großbritannien.

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