Meinung : Tierseuchen: Jetzt oder nie

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Ergebnisse hat die zweite Reise von Renate Künast zum EU-Agrarministerrat nach Brüssel nicht gebracht. Rinder und Schweine stehen weiterhin auf Spaltenböden und laufen weiterhin auf keiner Wiese aus. Hühner bleiben in Käfige gepfercht, Kälber harren in dunklen Boxen bis zur Schlachtreife. Dieses unmoralische System zu ändern, wird Zeit und eine gute Strategie erfordern. Künast gibt vor, beides zu haben. Mit einer Nachtsitzung sei das in Jahrzehnten gewachsene EU-Agrarsystem eben nicht zu kippen. Das leuchtet ein. Aber hat die Ministerin wirklich viel Zeit? Die Verbraucher und somit die Wähler wollen Taten sehen. Und nach Rinderwahn und Maul-und-Klauen-Seuche fehlt eigentlich nur noch, dass sich Rindertuberkulose und Schweinepest ausbreiten. Das System der Massentierhaltung ist vor keiner Seuche gefeit, ebenso wenig wie der intensive Anbau von Obst, Gemüse und Wein gegen Viren, Läuse und Pilze geschützt ist. Aber für Künast wird vor allem politisch gesehen die Zeit knapp werden. Sie muss die Gunst des Kanzlers nutzen, so lange sie ihr noch gewährt wird. Noch tönt Schröders Ruf "Weg von den Agrarfabriken!" nach, aber der Hall wird leiser. Wenn er verklungen ist, könnte sich der wendige Kanzler auf ihm günstiger erscheinende Botschaften besinnen: Ein bisschen weg davon, aber trotzdem beim billigen Kotelett für jeden Facharbeiter bleiben.

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