Timoschenko : Chronisches Problem

Julia Timoschenko wird in der Ukraine bisher nicht angemessen behandelt – so deutlich hatten die deutschen Ärzte, die die frühere Regierungschefin im Straflager untersuchten, das bisher nicht gesagt. Ganze drei Monate dauerte es allein, bis die für die Diagnose entscheidende Untersuchung stattfand. Lange wurde Timoschenko von den ukrainischen Behörden als Simulantin hingestellt. Noch vor vier Wochen zog der Vize-Generalstaatsanwalt in Zweifel, ob Timoschenko überhaupt ernsthaft krank sei. Der Chef der Berliner Charité hat jetzt noch einmal klargestellt, dass sie nicht nur krank, sondern bereits chronisch krank ist. Vieles spricht also dafür, dass ihr die nötige medizinische Hilfe aus politischen Gründen nicht oder erst spät gewährt worden ist. Das ist ein schwerer Vorwurf, dem die ukrainische Führung nur begegnen kann, wenn nicht nur Timoschenko, sondern auch andere erkrankte politische Häftlinge umgehend die nötige Hilfe erhalten. Eine Behandlung durch deutsche Ärzte vor Ort ist weder aus Sicht der Bundesregierung noch nach Meinung der Mediziner die beste Lösung. Dennoch sollten sich die Deutschen darauf einlassen. Vielleicht wird dann aus einer Staatsaffäre endlich wieder ein ganz normaler medizinischer Fall. cvs

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