Tina Brown im Porträt : "Ich musste eine neue Sprache lernen"

Tina Brown ist in der Printbranche als Retterin von bereits tot geglaubten Magazinen bekannt. Nun soll sie die kränkelnde "Newsweek" vor dem Untergang retten.

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Tina Brown.
Tina Brown.Foto: AFP

Ziehen Gegensätze sich an, ist das die beste Voraussetzung für eine glückliche Beziehung. Das scheinen zumindest die Macher des US-Magazins „Newsweek“ und der Website „The Daily Beast“ zu glauben. Sie haben das 77 Jahre alte Traditionsblatt und das erst zweijährige Meinungsportal fusioniert, wie sie Donnerstagnacht bekannt gegeben haben.

Die Redaktionen der beiden Publikationen sollen zur The Newsweek Daily Beast Company zusammengelegt werden, an ihrer Spitze soll Tina Brown, 56, stehen, bisher Chefin von „The Daily Beast“. Brown soll aber nicht nur die beiden äußerst unterschiedlichen Medienmarken miteinander verknüpfen, sondern auch die kränkelnde „Newsweek“ vor dem Untergang retten. Das Blatt hatte unter der Werbeflaute in der jüngsten Wirtschaftskrise enorm gelitten, verschuldet war es im August von der „Washington Post“ an den 92-jährigen Sidney Harman zum symbolischen Preis von einem Dollar verkauft worden. Dringend braucht es eine Frischzellenkur – und dafür ist Brown Expertin.

In der Printbranche ist sie als Retterin von bereits tot geglaubten Magazinen bekannt. Im Alter von nur 25 Jahren belebte sie den britischen „Tatler“ wieder, in der 80er Jahren brachte sie das US-Hochglanzblatt „Vanity Fair“ auf Vordermann, ab 1992 krempelte sie den „New Yorker“ um, wo sie wegen ihrer forschen Art nur „Stalin in Stöckelschuhen“ genannt wurde. Später verfasste sie unter anderem eine Biografie über Prinzessin Diana. 2008 tat sie sich mit dem Unternehmer Barry Diller zusammen, um „Daily Beast“ zu gründen. „Am Anfang fühlte ich mich wie eine Austauschstudentin in Bogota, denn ich musste eine komplett neue Sprache lernen: die des Internets. Schließlich war ich bisher ein Printmädchen“, sagte Brown damals in einem Interview. Die Onlineseite, die das Netz nach interessanten Artikeln durchforstet, aber auch eigene exklusive Geschichten recherchiert, verzeichnet nach eigenen Angaben fünf Millionen Besucher pro Monat.

Durch die Kooperation sollen beide Publikationen mit ihren jeweiligen Stärken die Schwächen des anderen Titels ausgleichen: „Daily Beast“ soll mit der journalistisch renommierten „Newsweek“ an Gewicht gewinnen. Das wöchentlich erscheinende Magazin soll durch das Portal, das Tag und Nacht aktualisiert wird, moderner werden. Brown mit ihren Erfahrungen in der Print- und Onlinewelt dürfte die richtige Frau für die Verbindung sein.

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