Meinung : Tod am Hindukusch Der Anschlag auf Soldaten zeigt, wie sehr sie gebraucht werden

Clemens Wergin

Die Ereignisse einer Woche: Am Donnerstag werden zwei Bundeswehrsoldaten in Georgien entführt, die im Auftrag der Vereinten Nationen den Waffenstillstand zwischen Georgiern und Abchasen überwachen. Am Samstag sterben vier deutsche Soldaten bei einem Selbstmordattentat in Kabul, dutzende wurden verletzt. Auch hier handelt die Bundeswehr im Auftrag der UN, um das von Jahrzehnten des Krieges zerstörte Land zu stabilisieren. Zwischen beiden Ereignissen debattiert der Bundestag am Freitag über den deutschen Beitrag für einen Einsatz im Kongo. Ist das die neue Normalität deutscher Außenpolitik: Bundeswehrsoldaten in die ganze Welt zu schicken und tödlichen Gefahren auszusetzen?

Die Soldaten befanden sich auf dem Weg zum Kabuler Flughafen, um die Heimreise anzutreten. Sicher waren viele mit den Gedanken schon in Deutschland, bei ihren Familien und Freunden. Die meisten werden erleichtert gewesen sein, bald wieder ein Land betreten zu können, wo sie nicht hinter jeder Straßenecke mit einem feindlichen Angriff rechnen müssen. Und dann hat es sie doch erwischt. Kurz vor dem Heimaturlaub.

Das öffentliche Vokabular hält für solche Ereignisse den Begriff des „tragischen Todes“ bereit. Doch das ist allenfalls die halbe Wahrheit. Die Mission in Afghanistan, die von der Bundeswehr geleitet wird, ist die gefährlichste, an der deutsche Soldaten weltweit teilnehmen. Und die Toten zeigen, dass sich hinter der abstrakten Forderung nach einer stärkeren Rolle Deutschlands in der Welt konkrete Gefahren für Leib und Leben seiner Bürger in Uniform verbergen. Die dürfen verlangen, nicht leichtfertig oder um bloßen Prestigedenkens willen in Krisenregionen geschickt zu werden.

Dennoch gehört der Einsatz in Afghanistan zu den notwendigsten militärischen Missionen dieser Tage. Welchen Hass die radikalen Islamisten auf den Westen haben, hat sich auch bei diesem Anschlag wieder gezeigt. Er galt nicht etwa einem Besatzer, der ein Land unrechtmäßig beherrschen will, sondern denen, die mit Unterstützung der Weltgemeinschaft Afghanistan eine bessere Zukunft bringen möchten. Den Fanatikern die Rückzugsräume zu verwehren, bleibt notwendig, damit diese ihren Terror nicht wieder in den Westen – das nächste Mal vielleicht nach Europa – tragen können.

Die Deutschen müssen sich erst daran gewöhnen, dass deutsche Soldaten immer öfter auch in weit entfernte Regionen entsandt werden. Das ist nicht nur Ausdruck gewachsener Verantwortung für diese Welt. Die Formel, Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt, ist oft belächelt worden. Wir werden uns mit ihr anfreunden müssen. Wenn junge Menschen einem Mordanschlag zum Opfer fallen, dann ist Trauer das erste Gefühl. Da ist es auch kein Trost, dass die vier Soldaten bei der Verteidigung Deutschlands und des ganzen Westens, seiner Werte wie seiner Sicherheitsinteressen, gestorben sind. Auch wenn das die Wahrheit ist.

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