Meinung : Tod der Innovationskraft

„Frischer Wind“ vom 27. Mai

Vielen Dank für den hochinformativen Artikel. Gerade im Energiesektor wurden im sogenannten „Herbst der Entscheidungen“ mit der Verlängerung der Atomlaufzeiten die großen Konzerne bevorzugt, denn nur diese können Atomkraftwerke betreiben. Genauso wird bei den Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz der Ausbau von Windparks auf hoher See präferiert. Auch hier können nur Großinvestoren das benötigte Kapital aufbringen. Dagegen werden durch die Kürzung der Solarförderung lokale und regionale Betreiber benachteiligt.

Dass große, zentralistische Strukturen der Tod der Innovationskraft sind und deren Verstärkung die Standortvorteile Deutschlands über kurz oder lang auslöschen wird, lernt man bereits im ersten Semester BWL. Deshalb ist eine Re-Regionalisierung von Anlagen wie den Stromnetzen der einzige Weg, um bedarfsgerecht auf die aktuellen Situationen zu reagieren. Wie unfähig zentralistische Strukturen sind, sieht man an Großprojekten wie dem aktuellen Stand im Stromnetzausbau. Sie fordern den Widerstand der Anwohner geradezu heraus, weil sie diesen nur die Kosten aufbürden und die Unternehmensinteressen gegen die Bürgerinteressen mit Zwangsmaßnahmen durchzusetzen versuchen. Sind die Bürger die Nutznießer der Anlagen oder zumindest am Ertrag beteiligt, steigt auch die Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen und sich sogar aktiv einzubringen. Wären Parteien tatsächlich am Wähler und nicht nur an den großen Parteispenden interessiert, könnten sich ihnen hier ganz neue Potenziale erschließen. Dazu müssten sie nicht einmal unbequeme Wahrheiten aussprechen, wie dass nur ein „Weniger“ an Energieverbrauch wirklich eine Wende bedeuten kann.Michael Ronge, Berlin-Schöneberg

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