Meinung : Tod ohne Verklärung

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Erinnerung braucht einen Ort des Gedenkens. Wo es Stätten des tatsächlichen Geschehens gibt, sind sie besser als jedes Museum in der Lage, Geschichte gegenwärtig zu machen. Deshalb ist es vernünftig, wenn sich der Senat im Rahmen seines Gedenkstättenkonzepts entschließt, die Dokumentationen über die Mauer in der Bernauer Straße zu erweitern. Was Touristen und Berliner gleichermaßen erwarten, sind greifbare und nachvollziehbare Darstellungen der erschütternden Tage und Monate nach dem 13. August 1961. Am besten dazu geeignet sind Filme, Fotos und mündliche und schriftliche Aussagen von Zeitzeugen. Die künstlerische Überhöhung ins Abstrakte mag dem intellektuellen Anspruch an ein Mahnmal oder eine Gedenkstätte eher gerecht werden als das ganz profane Zeigen dessen, was war. Genau diese Reduzierung auf das alltägliche Grauen ist aber eindringlicher und bedrückender als ein Museum an anderem Ort. Ein Museum des Kalten Krieges gar, wie es Senator Thomas Flierl vorschwebt, wäre allenfalls dazu angetan, das Sterben an der Mauer als rational nachvollziehbare Folge der Kontroverse zwischen den Blöcken zu erklären. Dieser Tod aber braucht keine Verklärung. Er war brutal und menschenverachtend, und wer daran schuld war, weiß jeder. Auch ohne Museum. apz

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