Todesstrafe : Fettleibig gegen die Barbarei

In den USA wehrt sich ein inhaftierter Mörder gegen die Hinrichtung. Seine Begründung: Er sei zu fett. Unser Kolumnist Helmut Schümann ruft die Todeskandidaten zur Völlerei auf.

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Mit viel Fett gegen die Barbarei.
Mit viel Fett gegen die Barbarei.Foto: dpa

Nun sind ja in New York die extra großen Pappbecher für die pappigen, stark zuckerhaltigen Getränke verboten. Man könnte natürlich sagen, dass so ein Verbot gegen das in der westlichen Welt verbriefte Recht auf freie Getränkeaufnahme verstößt. Zumal es gerade um das Recht auf die Meinungsfreiheit geht, mag diese Meinung noch so schwachmatig daherkommen und vor allem deswegen vorgetragen wird, um Gewalt zu provozieren. Anschließend kann man dann wieder mit den Fingern auf die Gewalttäter zeigen. Aber es geht jetzt um Cola, Limos, literweise, gallonenweise, weil diese Unmengen nämlich Fettleibigkeit produzieren und gegen die kennt the land of the free and the home of the brave nun wirklich kein Pardon mehr.

Weg mit dem Fett, auch mit staatlichem Eingriff, „es ist ganz bestimmt nicht der letzte Schritt, den viele Städte machen werden, und wir glauben, dass das viele Leben retten wird“, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg. Eine gute Sache also, die zur Verschlankung führen soll, aber ob damit alle Leben gerettet werden können, die gerettet werden könnten, ist fraglich. Den Ronald Post, zum Beispiel, würde eine baldige Verschlankung geradewegs in den Tod treiben. Ganz offiziell, ganz legal, mit staatlichem Segen, ja, sogar auf ausdrücklichen staatlichen Wunsch.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Ronald Post ist Mörder, vor 30 Jahren hat er einen Hotelangestellten erschossen, seitdem sitzt er ein in Ohio, am 16. Januar soll er hingerichtet werden. Die Vereinigten Staaten haben, man vergisst das immer mal wieder, auch noch die Todesstrafe, fast genau so wie rückständige Länder, gut, in den USA wird nicht gesteinigt. Nun hat Ronald Post die Aufschiebung seiner Hinrichtung beantragt, er sei mit 220 Kilogramm zu dick und die Suche nach einer Vene für die Todesspritze möglicherweise zu qualvoll.

Es hat dergleichen schon gegeben, 2007 stocherten die Henker fast zwei Stunden in Christopher Newton (120 Kg) herum, bis sie endlich den Zugang zum Todesstoß fanden. 1994 hatten die Gerichte sogar ein Einsehen und verschonten Mitchell Rupe (181 Kg), der am Strang sterben sollte, aber Gefahr lief, dabei enthauptet zu werden. Man kann den Kandidaten für die rückständige und unwürdige Todesstrafe nur raten: Fresst, sauft Cola, literweise, gallonenweise. Das ist zwar auch nicht gesund und nicht im Sinne Michael Bloombergs, kann aber, so widersprüchlich kann es zugehen bei den Freien und Tapferen, lebensverlängernd wirken.

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