Todesstrafe in China : Der neue Opiumkrieg

China lässt einen Drogenschmuggler exekutieren. Dass der Mann Brite war, scheint nebensächlich.

Jens Mühling

Auf den ersten Blick: Im Osten nichts Neues. China lässt einen Drogenschmuggler exekutieren. Dass der Mann Brite war, scheint nebensächlich. Wer mit vier Kilo Heroin Grenzen passiert, den schützt kein Auslandspass. So weit, so gut, müsste man als Befürworter der Todesstrafe sagen, oder als ihr Gegner: so weit, so schlecht. So simpel aber liegen die Dinge nicht. Ein historisches Echo hallt nach: Als die Briten einst mit kriegerisch erzwungenen Opiumimporten das Kaiserreich ruinierten, hatte China das machtlos hinnehmen müssen. Umso lautstärker verbittet sich Peking heute äußere Einmischung, wenn ein Brite abgeurteilt wird, der genug Drogen zur „Tötung von 26 000 Menschen“ eingeschleppt hat. Man könnte dem im Grunde sogar folgen – doch Chinas Standpunkt zeugt weniger von legitimem Geschichtsbewusstsein als von revanchistischem Nationalbewusstsein. Wäre mit Akmal Shaikh ein überführter Drogenhändler verurteilt worden, der Aufschrei im Westen hätte sich in Grenzen gehalten. Wenn aber ein offenbar Geistesgestörter, dessen Täterschaft fraglich ist, im Blitzverfahren zum historischen Sündenbock gemacht wird, kann China kein Verständnis erwarten.

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