Todesstrafe in den USA : Verfassungsgemäß sterben

Die Todesstrafe trennt Amerika und Europa unüberbrückbar. Die Mehrheit der US-Bürger befürwortet sie; ihre abschreckende Wirkung senke die Mordrate. Für Europäer ist sie Ausdruck mangelnder Zivilisation. Die Todesstrafengegner haben nun einen aussichtsreichen Weg gefunden, Exekutionen aufzuhalten: durch Klagen gegen die Verfassungsmäßigkeit der üblichen Methode, der Giftspritze, weil die bei unsachgemäßer Anwendung Schmerzen verursacht. Amerika definiert seine Humanität anders: Nicht die Todesstrafe sei inhuman, sondern unmenschlich sei es, wenn der Delinquent den Vollzug schmerzhaft spüre. Zynischer gesagt: Mörder sollen tot sein, aber nicht sterben. So widersprüchlich ist dieses Land. Widersprüchlich ist aber auch Europas Blick auf die Welt. 1770 Hinrichtungen in China sind kein Grund für einen empörten Aufschrei, 50 bis 60 in den USA schon. Es ist unwahrscheinlich, dass Amerika die Todesstrafe abschafft. Es ist auch unwahrscheinlich, dass der Supreme Court sie indirekt beendet, indem er die Giftspritze als inhuman verbietet. Wenn Gesellschaft und Politik die Todesstrafe für richtig halten, werden sie eine zulässige Exekutionsmethode finden, so wie sie 1978 von Gaskammer und elektrischem Stuhl zum Giftcocktail gewechselt sind. In der Praxis bedeutet die Todesstrafe schon jetzt in der Regel lebenslanges Gefängnis. Sie wird nur in einem Bruchteil der Fälle vollstreckt. cvm

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