Tödliches Wetttrinken : Nüchtern betrachtet

Dreieinhalb Jahre Haft für einen Berliner Gastronomen, weil der reihenweise Tequilas ausschenkte: Die Strafe ist ein klares Warnsignal an Kneipiers, ihrer Sorgfaltspflicht gerecht zu werden. Mehr aber auch nicht.

Gerd Nowakowski

Dreieinhalb Jahre Haft für einen Berliner Gastronomen – nüchtern betrachtet ist das Urteil gegen den Wirt, der einem 16-Jährigen so lange Tequila servierte, bis dieser ins Koma fiel, nicht überraschend. Nur ein Freispruch wäre ein Skandal gewesen. So aber ist die Strafe nach einem langen Prozess ein klares Warnsignal an Kneipiers, ihrer Sorgfaltspflicht gerecht zu werden. Mehr aber auch nicht. Denn die rund 900 Jugendlichen und Kinder, die von der Berliner Polizei seit Jahresbeginn völlig betrunken aufgegriffen wurden oder in der Klinik landeten, zeigen, dass es trotz der Debatte immer noch kinderleicht ist, an Schnaps und Bier zu gelangen. Die von einigen Bezirken nach dem Tod des Gymnasiasten angekündigten verschärften Kontrollen in Bars und Kneipen kamen über Stichproben noch längst nicht hinaus. Jeder Jugendliche wird mit Alkohol konfrontiert, doch wie verantwortungsvoll der Umgang der Heranwachsenden mit der Droge ist, dafür sind das private Umfeld und vor allem das Verhalten der Eltern entscheidend. Es gibt positive Tendenzen: Jugendliche trinken insgesamt weniger. Die schlechte Nachricht: Dafür trinkt eine kleine Gruppe immer exzessiver.

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