Tory-Kandidat Boris Johnson : „Die Tage des Molchkönigs sind gezählt“

Boris Johnson soll bei der Bürgermeisterwahl im Mai 2008 gegen Ken Livingstone antreten.

Markus Hesselmann

Als Bürgermeister von Metropolen sind in letzter Zeit echte Typen gefragt. Berlin kennt das ja. Medienpräsenz geht vor Aktenkompetenz, das haben sich auch die britischen Konservativen gedacht und in London Boris Johnson in Stellung gebracht. Der Mann mit dem Mopp auf dem Kopf soll bei der Bürgermeisterwahl im Mai 2008 gegen Ken Livingstone antreten, noch so eine echte Persönlichkeit. Der „Rote Ken“ hatte zuletzt unter anderem mit Lobeshymnen auf Kubas Diktator Fidel Castro und dem Ankauf von Billigbenzin für Londoner Busse bei Venezuelas sozialistischem Staatschef Hugo Chavez auf sich aufmerksam gemacht. Zu Livingstones Schrullen gehört, dass er Molche züchtet und darüber spricht. Johnson begann seine Kampagne folgerichtig: „Die Tage des Molchkönigs sind gezählt“, erklärte der gerade gekürte Kandidat.

„Der Witz“, titelte das linke Politmagazin „New Statesman“ über einem Bild Boris Johnsons. London sei die Welthauptstadt von Geld, Sex, Sauferei und „Was-soll’s-Haltung“. In Johnson bekäme die Metropole den Bürgermeister, den sie verdiene. Wahrscheinlich wirken bei solchen Gemeinheiten noch alte Konkurrenzkämpfe nach: Johnson war mal Chefredakteur des rechten „Statesman“-Pendants „The Spectator“. Außerdem ist er häufig im Fernsehen präsent: als Moderator und Talkshowgast. Seit 2001 sitzt Johnson für die Konservativen im Unterhaus, zuletzt als Mitglied des Schattenkabinetts von Parteichef David Cameron.

Als „Spectator“-Chef musste sich Johnson 2004 öffentlich entschuldigen. In einem namentlich nicht gekennzeichneten Beitrag hatte das Magazin die Einwohner Liverpools pauschal kritisiert. Sie hätten sich in öffentlicher Trauer „gesuhlt“, nachdem der Liverpooler Kenneth Bigley in Bagdad entführt und ermordet worden war. Im Sorry-Sagen hat Johnson Erfahrung. 2006 verglich er das Hauen und Stechen in der konservativen Partei mit „Menschenfresserorgien“ in Papua-Neuguinea und musste sich diesmal gleich bei einem ganzen Land entschuldigen.

Der 43-jährige Johnson – vollständiger Name: Alexander Boris de Pfeffel Johnson – gilt als Inbegriff des leicht trotteligen Upperclass-Briten. Diesen Ruf kontrastiert der Oxford-Absolvent mit einer basisnahen Agenda für London: mehr bezahlbare Wohnungen, besserer Nahverkehr, weniger Kriminalität – damit will Johnson gegen den „Roten Ken“ punkten. Markus Hesselmann

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