Meinung : „Trainer kommenund…

Markus Hesselmann

… gehen. Manager bleiben etwas länger.“

Das Büro ist an zwei Seiten verglast. Rudi Assauer behält den Überblick: Rechts hinten liegt die Arena Auf Schalke, sein großes Werk, links das alte Parkstadion und ganz vorn, fast direkt unter dem Panoramafenster, der Trainingsplatz des FC Schalke 04. Von hier aus schaut der Manager seiner Fußballmannschaft beim Üben zu. Hier hat er sich in den vergangenen Monaten immer wieder über seinen leitenden Angestellten aufgeregt, diesen Sturkopf, den Heynckes. Jetzt hat er den Trainer entlassen, nach nur vier Spielen der neuen Saison. Drei davon hat Schalke verloren.

Jupp Heynckes, 59, sei ein „Trainer alter Schule“, der sich nicht mehr ändern wolle, sagt Assauer zur Begründung. Dabei ist Rudi Assauer ein Manager alter Schule, der sich nicht mehr ändern kann, selbst wenn er das wollte. Zu sehr steht sein Name für Schalke 04. Zu sehr sind in diesem Verein, der dreimal abstieg und dann den Uefa-Cup gewann, die Dinge auf ihn zugeschnitten.

Seit 1981 ist Assauer Manager in Gelsenkirchen, mit einer Unterbrechung von sechs Jahren. „Entweder ich schaffe Schalke, oder Schalke schafft mich“, hatte er zum Einstand gesagt. Assauer schaffte Schalke und wurde zum letzten Alleinherrscher der Branche. Eine Type, mit der nicht nur „Kicker“- Abonnenten etwas anfangen können, ein Boss mit Robert-de-Niro- Charme, der auch in der „Bunten“ oder in Bier-Werbespots seine Wirkung entfaltet. Der Manager Assauer ist anders als jene Funktionäre, die unter Bezeichnungen wie „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ in anderen Vereinen tätig sind.

Hemdsärmelig und geradeaus war der gebürtige Saarländer schon als Kind. Als Lehrer ihn aufs Gymnasium schicken wollten, weigerte er sich: „Zu den Hochnäsigen wollte ich nicht.“ Stattdessen widmete er sich dem Fußballspiel, zunächst bei Borussia Dortmund, dann bei Werder Bremen. Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann – die Grundlage für seine spätere Managertätigkeit.

Allerdings nähert sich diese so langsam dem Ende. Das weiß auch Assauer, der längst den früheren Spieler Andreas Müller (nicht zu verwechseln mit Möller) zum Nachfolger aufbaut. Müller darf nun an seiner statt auf der Bank neben dem Trainer sitzen. Von dort hat sich Assauer nach seinem 60. Geburtstag zurückgezogen. Sein Platz sei jetzt auf der Tribüne, sagte er. Im Nachhinein klingt das wie eine Warnung: Da oben behält der Manager offenbar noch besser den Überblick.

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