Meinung : Transrapid: Aber bitte mit Preisschild

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Auf den ersten Blick sieht das wie eine gute Nachricht aus. Eine Studie hat den beiden geplanten Transrapid-Strecken München-Airport und Dortmund-Düsseldorf technischen und wirtschaftlichen Sinn attestiert. "Erhebliche Überschüsse" ließen sich in Bayern sozusagen erschweben. Für zusammen 4,8 Milliarden Euro seien beide Projekte zu bauen. 12 000 neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Dieses Argument hat in einer (Vorwahl-)Zeit steigender Arbeitslosenzahlen besonderes Gewicht. BDI-Präsident Rogowski möchte der Welt deutsche Technik "wie in einem großen Schaufenster" präsentieren. Da hätte die Strecke Hamburg-Berlin auch schön ausgesehen. Aber sie rechnete sich nicht. Und die neuen Strecken? Wie kann man ein Projekt "rentabel" rechnen, ohne zu wissen, wieviel der Bund finanziert und ob mit Zuschüssen oder Darlehen? Experten melden zudem Zweifel an Fahrgastzahlen, Investitions- und Betriebskosten an. Für die tatsächlichen Kosten gilt wie bei allen Großvorhaben: Abgerechnet wird nach Fertigstellung. Böse Überraschungen sind garantiert. Deshalb wäre es sinnvoll, zunächst nur eines der Projekte zu verwirklichen, es aber seriös "durchzufinanzieren". In München käme man mit der S-Bahn in rund 20 Minuten in die Stadt. Das NRW-Projekt Metrorapid erscheint insgesamt sinnvoller und runder, nicht nur wegen der Fußballweltmeisterschaft 2006. Warum also nicht nur eines statt zwei große Schaufenster für Deutschlands Spitzentechnik öffnen - dafür aber mit realistischen Preisschildern.

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