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Trauer um Nelson Mandela : Angela Merkel hätte nach Südafrika fliegen sollen

10.12.2013 13:22 Uhrvon
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Montag nachmittag in der südafrikanischen Botschaft in Berlin in das dort ausliegende Kondolenzbuch eingetragen. Aber zur Trauerfeier in Johannesburg ist sie nicht gereist.Bild vergrößern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Montag nachmittag in der südafrikanischen Botschaft in Berlin in das dort ausliegende Kondolenzbuch eingetragen. Aber zur... - Foto: dpa

Die Kanzlerin hat ihre Abwesenheit in Johannesburg nicht begründet. Aber für Deutschland wäre es das richtige Symbol gewesen, mit dem Präsidenten Joachim Gauck und der Regierungschefin vertreten zu sein. Schließlich gibt es in Berlin gerade nicht viel zu tun.

Fast die ganze Welt erweist Nelson Mandela, dem vermutlich größten Staatsmann Afrikas, die letzte Ehre. Nur eine fehlt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist in Berlin geblieben. Eine Begründung für ihr Fernbleiben gibt es nicht, außer dem Hinweis, dass Deutschland ja vom Bundespräsidenten Joachim Gauck bei der zentralen Trauerfeier für Mandela in Johannesburg vertreten werde. Dort trifft Gauck auf weitere 90 Staats- und Regierungschefs und zehn ehemalige Staatenlenker. Die USA haben gleich vier Präsidenten aufgeboten: den amtierenden Barack Obama und seine Vorgänger George W.

Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter. Aus Großbritannien sind sowohl Premierminister David Cameron als auch Prinz Charles angereist, der seine 87-jährige Mutter, Königin Elisabeth II. vertritt, die aber ausrichten ließ, dass sie der Trauerfeier "schweren Herzens" fernbleibe. Aus Frankreich sind Präsident Francois Hollande und sein Vorgänger Nicolas Sarkozy nach Südafrika gereist, und der spanische und der italienische Premierminister haben bilaterale Gespräche kurzerhand abgesagt, um in Südafrika dabei zu sein.

Der Kanzlerin war es genug, am Montagnachmittag in der südafrikanischen Botschaft in Berlin einen Eintrag im Kondolenzbuch zu hinterlassen. Aus Regierungskreisen heißt es, Kanzlerin Angela Merkel sei nicht zu den Trauerfeiern nach Südafrika gereist, weil Bundespräsident Joachim Gauck daran teilnehme. Allerdings gibt es nach Kenntnis des Bundespräsidialamtes keine verfassungsrechtlichen Gründe, die verhindern würden, "dass zwei Verfassungsorgane an den Trauerfeiern für Nelson Mandela teilnehmen". Es gibt vielleicht auch während Angela Merkels dritter Kanzlerschaft keinen weiteren Anlass, bei dem gleich "zwei Verfassungsorgane" auf einmal eine angemessene Aussage wären.

Freundliche Nachricht der Kanzlerin zum Tod von Nelson Mandela.Bild vergrößern
Freundliche Nachricht der Kanzlerin zum Tod von Nelson Mandela. - Foto: dpa

Der Tod von Nelson Mandela ist kein gewöhnlicher Sterbefall. Nelson Mandela war schon zu Lebzeiten eine Legende. Merkel hat ihn 2007 getroffen, als es ihm noch besser ging. Trotzdem zieht sie es vor, in Berlin zu bleiben, obwohl es vor dem Abschluss des Mitgliederentscheids bei der SPD über den Koalitionsvertrag wohl auch keinen sachlichen Grund gibt, der ihre Anwesenheit in Berlin zwingend machen würde.

Was will Angela Merkel mit dieser eher kühlen Entscheidung, nicht nach Südafrika zu reisen, eigentlich sagen? Dass ihr Afrika ziemlich egal ist? Dass Nelson Mandela für sie nur ein alter Mann unter vielen war? Schwer vorstellbar. Die Entscheidung, den Feiern des Lebens und der Lebensleistung von Nelson Mandela fernzubleiben, ist eine Fehlentscheidung. Merkel hätte fliegen müssen. Deutschland ist durch den Präsidenten, Joachim Gauck, sicher gut und angemessen vertreten. Aber dass die angeblich mächtigste Frau der Welt sich diesen Termin kommentarlos schenkt, ist ein falsches Symbol. Denn es zeigt einen Mangel an Mitgefühl, einen Mangel an Demut und einen Mangel an Freundlichkeit an der richtigen Stelle. Mehr als schade.

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