Meinung : Traurige Gewinner

Die Liberalen können nicht mit der Union regieren – und mit der SPD wollen sie nicht

Lorenz Maroldt

Ob’s an Stefan Raab gelegen hat? Zumindest war am Samstagabend in seiner Show eine Art Wetterleuchten zu sehen. Auf 14 Prozent kamen die Liberalen in „TV Total – Bundestagswahl“ bei der nicht repräsentativen Publikumsbefragung. Guido Westerwelle nahm’s trotzig zur Kenntnis. Ganz so viel ist es dann nicht geworden. Aber doch ziemlich viel. Westerwelle ist ein Gewinner, überraschend für viele; er wird sagen: nicht für ihn.

Aber wie passt dieses Ergebnis für die Liberalen zu den bescheidenen Umfragewerten zuvor? Was ist passiert? Welche Schlüsse lassen sich ziehen?

Zunächst einmal muss man das Ergebnis der FDP in Bezug setzen zu dem der Union. Sie sind als Lager aufgetreten, also werden sie auch als Lager bewertet. Und das bedeutet: Der Gewinn ist ziemlich relativ. Zwei Vermutungen lassen sich ableiten aus dem schwarz-gelben Ergebnis. Die eine lautet, dass etliche Wechselwunschwähler erschrocken sind vor der Aussicht auf eine große Koalition und deshalb die FDP gestützt haben. Die andere Vermutung, die nicht alternativ ist, sondern dazukommt, bezieht sich auf das verwaschene Bild der Union in den vergangenen Wochen. Wer den Wechsel nicht nur der Parteien, sondern auch der Politik wollte, konnte in der FDP durchaus den zuverlässigeren Auftragnehmer sehen.

Ausgerechnet. Zuverlässig, das war nun ein Wort, das mit den Liberalen selten in Verbindung gebracht wird. Sei es wegen der Geschichte der Partei, vor allem des Koalitionswechsels ohne Wahl, in voller Legislaturfahrt von Schmidt zu Kohl. Sei es wegen der Kaspereien ihres Vorsitzenden Westerwelle, der noch vor drei Jahren das Publikum mit gepflegtem Größenwahn (Kanzlerkandidatur, die Zahl 18 auf der Schuhsohle) und ohne jede Berührungsangst (im Big-Brother-Container), aber auch ohne großes Gespür (trotz Flut ganz fröhlich im Guidomobil) mehr verschreckte als anzog.

Dass nicht alles falsch war an Westerwelles Versuch, auch Wähler anzusprechen, die ARD und ZDF gar nicht erst in ihrem Fernseher programmiert haben, zeigt der Erfolg bei Raab. Dass es aber doch besser war, sich etwas zurückzunehmen, wieder mehr die liberale Idee im Vordergrund wirken zu lassen, nicht so sehr die Inszenierung, das zeigt dieses Ergebnis. Die FDP musste gar nicht mal richtig hart in den Wahlkampf ziehen. Das hat sie den anderen Parteien überlassen – und von deren Fehlern profitiert.

Doch der Dazugewinner ist kein Sieger. Es reicht nicht für Schwarz-Gelb. Eine Koalition mit SPD und Grünen hat die FDP ausgeschlossen, noch am Wahlabend, in Kenntnis der Zahlen. Aber ist es vorstellbar, dass die FDP die Macht, die sie will, einfach wegwirft, frohgemut in die Opposition zieht, dort als stärkste Kraft, wie ihr Generalsekretär betont?

Die FDP hat Zweitstimmen auch gegen eine große Koalition gesammelt. Wie das Schicksal so spielt, kann jetzt nur sie ein solches Bündnis verhindern – an der Seite der Grünen, dem Gegner, entweder mit Merkel oder mit Schröder. Merkel will mit allen Parteien reden, nur nicht mit den Linken. Die Grünen sind stolz genug, ein Angebot auszuschlagen, falls es denn käme. Die FDP aber könnte auf eine entsprechende Verlockung von Schröder sagen: Die Wähler wollten uns. Nur wir können das Schlimmste verhindern. Wir können die Außenpolitik, die Wirtschaft, die Finanzen gestalten. Der Wahlgewinner muss auch der Sieger sein.

Schröder kann auch drohen: mit Neuwahlen. Aber das Guidomobil kann nicht links abbiegen. Jedenfalls nicht, solange Westerwelle lenkt.

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