Meinung : Trennung des Schienennetzes: Kaum flügge geworden, schon gerupft

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Erst seit 119 Tagen ist der junge Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) im Amt - und schon hat er sich verhoben. Sein Plan, das Schienennetz vom Konzern Deutsche Bahn AG zu trennen, für den er sich auf dem Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Samstag feiern ließ, ist vorerst gescheitert. Zu stark war der Widerstand von Bahnchef Hartmut Mehdorn und den mächtigen Bahngewerkschaften, die bei mehr Wettbewerb auf der Schiene den Verlust von Monopolmacht und Jobs fürchten. Es ist eine Sache, den politischen Willen für ein solch revolutionäres Projekt zu bekunden. Die Durchsetzung gegen den Widerstand nahezu aller maßgeblichen Akteure ist eine andere. Bodewig zog den Kürzeren, weil er erstens Mehdorn nur wenige Tage vor seinem Vorstoß gestärkt hatte, als er Bahn-Aufsichtsratschef Dieter Vogel bereitwillig gehen ließ. Ihm, Mehdorn, nun sein Konzept oktroyieren zu wollen, war nicht sehr klug. Denn in diesen schwierigen Zeiten kann die Bahn nicht auch noch ein Führungsproblem gebrauchen. Zweitens hat Bodewig für sein Vorhaben von der Trennung von Rad und Schiene nicht genügend geworben. Ein funktionierendes Vorbild für dieses Verkehrskonzept gibt es noch nicht, und die Unfallserie der britischen Privatbahnen wirkt abschreckend. Da ist es kein Wunder, dass trotz guter Argumente von Bodewig, den Grünen und der Wissenschaft vorerst am Status quo nichts geändert wird.

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