Meinung : Trialog: Die Solitäre stehen allein

Antje Vollmer ist Vizepräsidentin des B,est

Angela Merkel hatte es schwer. Ihr Schicksal hat sich entschieden. Was bleibt, ist Gesichtswahrung und Analyse des Geschehenen. Bewunderung gehört auch dazu, dass eine Frau, eine solche Kampagne überhaupt durchgehalten hat, dass sie so lange nicht aufgab. Krokodilstränen gehören auch dazu - da outen Machos im Macho-Milieu der Politik andere Machos als Machos.

Es ist ein interessantes Thema: Wie weit kann eine Frau in der Politik kommen? Gibt es für Frauen immer noch eine Grenze, die unüberschreitbar ist? Und welche Grenze könnte das sein, liegt sie vielleicht in ihr selber? Fragen wir zunächst einmal: Ist die Zeit überhaupt reif, dass eine Frau Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden könnte? Wäre bei uns möglich gewesen, was immerhin in so unterschiedlichen Ländern wie Großbritannien, Norwegen, Türkei, Pakistan und den Philippinen möglich war? Ich zögere, hier mit einem klaren Ja zu antworten. Der interessanteste Ausnahmefall ist dabei Großbritannien. Gerade die gestandenen westlichen Demokratien tun sich aber offensichtlich schwerer als zweifelhaftere Systeme damit, Frauen in den machtpolitischen Ausscheidungskämpfen bis ganz an die Spitze voran zu schieben.

Woran liegt das? Eben an den machtpolitischen Systemen, die auf langfristigen Karrieren, Hausmachten und Seilschaften beruhen. Einerseits garantiert das die Stabilität und Berechenbarkeit des Apparates, andererseits passt das immer noch nicht besonders gut zu weiblichen Biographien und Begabungen. Dagegen sind Instabilität, Krisen im Parteiengefüge und machtpolitische Notsituationen Bedingungen, in denen Frauen so plötzlich nach vorne kommen können wie in historischen Umbruchsituationen oder Neuanfängen. Dafür sind die grünen Frauen, die Frauen in den Bürgerrechtsbewegungen ebenso ein Beleg wie die Karriere von Angela Merkel. Aus der Not eine Tugend und eine Chance zu machen, gehört nicht zu den schlechtesten weiblichen Qualitäten.

Instinkt, Courage, Machtwillen, alles das zeichnet Angela Merkel durchaus aus. Sie ist damit so weit gekommen wie noch keine andere Frau unter den Konservativen. Gerade was ihr Erfolg ist, das Abhaken der Krise und die Rückkehr ihrer Partei in die parteipolitische Normalität, gerade das macht ihren Verbleib nicht länger notwendig. Dankbarkeit gibt es nicht in Parteien. Wenn aber diese These stimmt, dann folgt daraus auch, dass eine normalisierte konservative Partei sich verweigert, durch eine Frau repräsentiert zu werden, und lieber nach einem gestandenen Mannsbild verlangt. Was also gesellschaftlich längst möglich wäre, das passt doch (noch) nicht zum brutalen Alltag einer Partei des patriarchalischen Familientyps.

Hat Angela Merkel gar keine eigenen Fehler gemacht? Doch, vermeidliche und unvermeidliche. Ihr wichtigster Fehler: Sie hat die Unmöglichkeit ihres Vorhabens nicht begriffen, sonst hätte sie sich von einer Phalanx von Freunden umgeben, die in diesem Fall Parteifreunde sein mussten. Sie hat zu viel ihrer eigenen durchaus charismatischen Wirkung vertraut, dem Applaus der Basis, dem Echo der Medien. Parteien sind zwar nicht dankbar, aber sie haben die Tendenz, die Wahrheit über die Machtverhältnisse am Ende nackt und bloß widerzuspiegeln.

Wer sich keine eigene Machtbasis aufbaut, wer keine unerschütterlichen verbindlichen Mitstreiter für sich gefunden oder erzwungen hat, wird fallen. Deswegen haben es die Frauen, die Intellektuellen, die Besonderen, die Solitäre in Parteien so schwer. Das ist nicht gut so, aber so ist das Leben.

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