Trikotstreit bei Werder Bremen : Was ist grün und stinkt nach Huhn?

Fußball-Bundesligist Werder Bremen will einen neuen Sponsor. Ausgerechnet der umstrittene Geflügellieferant Wiesenhof soll es werden. Unser Kolumnist Helmut Schümann feiert die protestierenden Fans.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Was ist grün und stinkt nach Fisch? Der Mittfünfziger wird heute mal ein wenig unflätig. Er ist Freund des Fußballs. Freunde des Fußballs sind unflätig. Sie sind meistens, also immer, volltrunken, dann grölen sie rum. Sie zünden bengalische Lichter an, das sieht schön aus, ist aber saugefährlich, für wen es gefährlich ist, ist jetzt egal. Die Freunde des Fußballs sind tumbe Gesellen, da, wo andere Menschen ein Gehirn haben, um zu denken, haben sie einen Ball, und in dem ist nur Luft. Sie interessieren sich für nichts außer für Fußball, sie kennen auch nichts anderes. Sie wissen nichts. Die Welt kann in Scherben liegen, sie bekommen davon nichts mit, sie lesen, sofern sie lesen können, nur den Sportteil, ansonsten stieren sie in die Glotze. Freunde des Fußballs sind Dumpfbacken, absolut nicht feinfühlig, auch nicht feingeistig, sie benutzen böse Worte. Und wenn es darum geht, die Glücksgöttin Fortuna für die eigene Mannschaft hold und gefügig zu machen, sind ihnen alle Mittel recht. Also noch mal: Was ist grün und stinkt nach Fisch? Werder Breeeeemen! Und neuerdings: Was ist grün und stinkt nach Huhn? Werder Breeeeemen!

Wiesenhof Sponsor vom SV Werder Bremen
Geflügelhäppchen auf der Pressekonferenz. Den Fans schmeckt das gar nicht...Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
15.08.2012 16:59Geflügelhäppchen auf der Pressekonferenz. Den Fans schmeckt das gar nicht...

Der SV Werder Bremen ist nicht gerade klamm, aber Geld kann er auch gebrauchen. Also hat der Verein einen Trikotsponsor gesucht und, natürlich, der Klub hat Tradition, auch gefunden: die Wiesenhof Geflügelkontor GmbH.

Und die tumben, ahnungslosen Freunde des SV Werder Bremen grölen rum. Hätten die Freunde des Fußballs auch nur einen Hauch von Ahnung, dann wüssten sie, was andere Menschen wissen. Nämlich, dass Wiesenhof nicht gerade gut beleumundet ist. Dass Wiesenhof im Jahr 2012 einen Skandal in der Entenmast produziert hat. Das Gleiche auch schon 2011. Dass Wiesenhof für alles steht, nur nicht für artgerechte, halbwegs faire Tierhaltung. Sondern für gnadenlose, rücksichtslose Tierquälerei.

Man muss natürlich erwähnen, dass Wiesenhof seit Jahren gegen dieses Image anrennt und das genaue Gegenteil beteuert. Aber seit genauso vielen Jahren wird davon wieder das genaue Gegenteil aufgedeckt. Es ist also wie beim Doping im Sport. Wären die Freunde des Fußballs nicht so absolut grenzdebil, sie würden jetzt in großer Zahl beim SV Werder austreten, würden in ebenso großer Zahl ihre Dauerkarten zurückgeben und würden gegen ihren Verein anlästern, wo immer sie können, zum Beispiel auf Facebook. Wie meinen? Das genau tun sie gerade in Bremen in großer Zahl. Dann jetzt alle: „Fußballfans sind keine Verbrecher!“

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