Trotz Finanzkrise : Kapitalismus? Ein gutes System

Jetzt ist der Kapitalismus endlich am Ende. Wirtschaftsprofessoren aus Bremen öffnen in aller Stille eine Flasche Champagner darauf, Feuilletonisten erklären, warum es so kommen musste, und Oskar Lafontaine gefällt sich schon in der Rolle des Comeback-Finanzministers in spe. Er hat nicht mehr viele Freunde in diesen Tagen, der Kapitalismus.

Ursula Weidenfeld

Jetzt ist der Kapitalismus endlich am Ende. Wirtschaftsprofessoren aus Bremen öffnen in aller Stille eine Flasche Champagner darauf, Feuilletonisten erklären, warum es so kommen musste, und Oskar Lafontaine gefällt sich schon in der Rolle des Comeback- Finanzministers in spe. Er hat nicht mehr viele Freunde in diesen Tagen, der Kapitalismus. Es lässt sich nicht leugnen: Er steckt in der schwersten Krise, an die sich die meisten erinnern können. Der Geldmarkt funktioniert nicht mehr, die Börsen brechen zusammen, ehemals stolze Banker rufen nach dem Staat, damit er sie bitte, bitte übernehmen möchte. Aber ist deshalb der ganze Kapitalismus am Ende? Kaum. Wenn diese Krise in ein paar Monaten oder Jahren überstanden sein wird, wird sie wieder da sein: die Marktwirtschaft, gewissenlos, geschichtsvergessen, ein reines Funktionsprinzip der Wirtschaft. Zu Recht. Denn der Kapitalismus ist ein gutes System. Jedenfalls das beste, das wir kennen, und nebenbei bemerkt, das einzige, das bisher jedenfalls einigermaßen funktioniert hat.

Mittelmäßige Politiker statt größenwahnsinnige Banker

Es ist weniger die Leidenschaft für eine aus den Fugen geratene Marktwirtschaft, die diese These treibt. Es ist eher die Aussicht auf die Alternative, falls der Kapitalismus abtreten würde: Sozialismus. Will man das? Keine freie Währung. Keine Bananen. Was wäre das für eine deprimierende Welt? Statt von größenwahnsinnigen Bankern würde die Wirtschaft von mittelmäßigen Politikern bestimmt. Das Ergebnis wäre sicher nicht besser, wohl aber viel schlechter als das, was die soziale Marktwirtschaft in den letzten sechzig Jahren hervorgebracht hat.

Die bisher schlimmste Wirtschaftskrise der Neuzeit, die große Depression von 1929 reduzierte den Lebensstandard um rund ein Drittel. Das war dramatisch. Allein die Perspektive, dass sich das möglicherweise jetzt wiederholen könnte, ist niederschmetternd. Aber: Nach dem Ende der DDR stellten die wiedervereinigten Deutschen schnell fest, dass der sozialistische Staat es nicht einmal auf die Hälfte des Pro-Kopf-Wohlstands gebracht hatte, den der Westen in derselben Zeit erwirtschaftete. Wenn man also die Wahl hat zwischen einer vorübergehenden Minderung des Lebensstandards um 30 Prozent oder einer dauerhaften Minderung des Wohlstands um die Hälfte – was würde man wählen? Dafür müsste man nicht einmal auf Bananen verzichten.

Die Autorin ist Chefredakteurin von „Impulse“.

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