Meinung : …Türkei

Thomas Seibert

über eine neue, seltsame Form des Terrorismus Die „O-Pet“-Tankstelle im Istanbuler Stadtteil Maslak ist immer gut besucht. Hier tanken viele Autofahrer, die von einer sechsspurig ausgebauten Schnellstraße auf die nahe gelegene Autobahn oder in die Innenstadt wollen. Auch am vorletzten Samstagabend war wieder viel Betrieb. Und niemand achtete auf die Männer, die gegen 19 Uhr 30 ein Auto abstellten und sich davonmachten. Wenige Minuten später explodierte der Wagen. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt, ein Großteil der Dachkonstruktion der Tankstelle wurde eingerissen. So groß war die Wucht der Detonation, dass Augenzeugen und Ermittler zunächst an einen Unfall mit Flüssiggas glaubten.

Doch dann fand die Polizei Überreste einer Bombe. Offenbar hatten die Täter eine Ladung Plastiksprengstoff in dem Auto ferngezündet und waren dann mit einem Taxi geflohen. Das Attentat geht auf das Konto der „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK), eine Unterorganisation der Kurdengruppe PKK, die zuletzt im Sommer mit Anschlägen auf Urlauber von sich reden gemacht hatte. Die PKK hat sich zwar von den „Freiheitsfalken“ distanziert. Doch die türkischen Behörden und auch westliche Sicherheitsexperten nehmen an, dass PKK-Bombenleger immer dann unter dem Namen TAK Anschläge verüben, wenn absehbar ist, dass die Gewalttaten von der internationalen Gemeinschaft verdammt werden.

„Noch größere Operationen“ würden folgen, kündigte TAK inzwischen an. Die Türkei solle „unbewohnbar“ gemacht werden. Die türkische Polizei geht davon aus, dass dies keine leere Drohungen sind. In den vergangenen Monaten haben radikale Kurden nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden große Mengen Plastiksprengstoff aus Lagern der PKK in Nordirak in die Türkei gebracht.

Die Bombe von Maslak hat den Istanbulern vor Augen geführt, dass der Terror sie jederzeit erwischen kann, selbst vor ihrer Haustür. Die „O-Pet“-Tankstelle liegt nur wenige Kilometer vom ehemaligen Gebäude der britischen HSBC-Bank entfernt, die vor zwei Jahren von radikal-islamistischen Selbstmordattentätern angegriffen wurde.

Dass militante Kurden die Gewalt in die großen Städte im Westen der Türkei tragen, setzt die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unter erheblichen Druck. Eine sechswöchige Waffenruhe mit der PKK lief Anfang Oktober ab. Seitdem eskalieren die Kämpfe wieder – auch wenn nicht einmal die PKK selbst erklären kann, was sie mit Anschlägen wie dem jüngsten bezwecken will.

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