Tunesien : Arabischer Sommer

Historischer Meilenstein, Fortschritt auf dem Weg zur Demokratie, Sieg über die Diktatur – die Welt jubelt Tunesien zu. Zu Recht. Die neue Verfassung ist etwas Besonderes. Grundlegende Bürgerrechte wie Meinungs-, Presse-, Versammlungs- und Glaubensfreiheit sind nun festgeschrieben. Ebenso wie die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Und das islamische Land, in dem mit dem Aufstand gegen Machthaber Ben Ali der Arabische Frühling begann, gibt sich eine säkulare Staatsform. Die Scharia soll keinen Einfluss auf Rechtsprechung und Gesetzgebung haben. Das wird sowohl die Opposition als auch den Westen beruhigen. Denn den Islamisten dürfte es nun deutlich schwerer als zuvor fallen, ihre Interessen durchzusetzen. So wichtig, richtig und erfreulich das alles ist – jetzt muss die Verfassung im Alltag gelebt werden. Gelingt dies, kann sie wirklich wegweisend für die arabische Welt werden. Tunesien scheint jedoch trotz aller Rückschläge deutlich weiter auf dem Weg in Richtung bürgerliche Freiheiten zu sein als seine Nachbarn. In Syrien, Ägypten oder Saudi-Arabien hat strenger politischer Frost die Grundrechte tiefgefroren.Ch.B.

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