Twitter-Zensur : Soziale Medien sind kein Wohnzimmer

Der Kurznachrichtendienst Twitter will sich staatlichen Zensurbehörden unterwerfen, Facebook führt Timeline ein - und die Netzgemeinde protestiert. Doch wer Soziale Netzwerke für Veränderungen anklagt, offenbart nur seine Naivität.

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Der Kurznachrichtendienst Twitter hat angekündigt, länderspezifische Tweet-Filter einbauen zu wollen.
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat angekündigt, länderspezifische Tweet-Filter einbauen zu wollen.Foto: dpa

Natürlich dürfen die das! Natürlich darf Facebook seine Nutzeroberfläche verändern und „Timeline“ einführen. Und natürlich darf Twitter sich nationalen Zensurbehörden unterwerfen und einzelne Meldungen, Tweets, in einzelnen Ländern unsichtbar machen. Was das Unternehmen jetzt in seinem Blog ankündigte, ist sein gutes Hausrecht, mehr noch: Gerade in Bezug auf nazistische Inhalte, auf die sich Twitter da explizit bezog, dürfte das hierzulande sogar willkommen sein. Zu Recht! Dass die großen Player wie Google und Facebook ihre Inhalte filtern, ist nichts Neues. Wer die Netzwerke nun für Veränderungen anklagt, offenbart nur seine Naivität. Facebook ist kein Wohnzimmer – auch wenn es sich so anfühlen mag. Und Twitter ist kein Teil der „Arabellion“ – und kann sie deshalb auch nicht verraten. So hart das ist: Soziale Netzwerke bleiben Medien. Medien, hinter denen Wirtschaftsunternehmen stehen. Dass diese besonders sensibel verfahren müssen, steht außer Frage. Wer Kommunikation ermöglicht, muss die Kommunikationsroutinen seiner Nutzer respektieren. In einer Netzwelt, in der sich bis dato kein Dienst als unersetzbar erwiesen hat, geschieht das aber eh. Inhalt verpflichtet – allein: Das gefühlte Recht gegen geltendes einzuklagen, wäre das falsche Signal.

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