U-Bahn-Schläger Torben P. : Vor Gericht der Mensch

Aus dem Gericht kommt man meistens schlauer wieder heraus, als man hineingegangen ist. Dazu ist die Verhandlung da, auch und gerade dann, wenn das öffentliche Urteil bereits gesprochen ist. Im Fall von Torben P., der zugegeben hat, in einer Osternacht auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße einen auf dem Boden liegenden Mann mit vier Tritten übel zugerichtet zu haben, zeigt sich dies besonders eklatant. Beeindruckt, ja geschockt von den Bildern der Überwachungskamera, die zu Fahndungszwecken freigegeben worden waren, reagierte die Öffentlichkeit, zu der in erster Linie die Medien gehören, weitgehend einhellig mit Abscheu vor der barbarisch anmutenden Tat und dem Täter, dessen Motive zunächst rätselhaft blieben; die Staatsanwaltschaft trug zu einer differenzierteren Sicht nichts bei. Heute, einige Verhandlungstage später, sind diese Bilder eingebettet in das Davor und Danach und lassen so den Menschen Torben P. zum Vorschein treten. Zum Monster entwickeln sich dagegen jene, die über ihn hergefallen sind – die reißerische Darstellung von Tat und Täter sowie ihre Auswirkung auf das Leben von P. und seiner Familie werden jetzt selbst zum Gegenstand des Prozesses. Diese Geschichte ist noch nicht am Ende. lom

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