Udo Lindenberg : "Ich bin kein Quatschomat"

Udo Lindenberg ist zurück: Das Rock-Urgestein, der Hutträger, der Panikpräsident oder der Bundesverdienstkreuz-Träger - Wofür steht er eigentlich?

Bodo Mrozek

Er ist wieder mal zurück. Acht Jahre hat es dieses Mal gedauert – und wie immer, wenn dieser Berg kreißt, ist ein Album dabei herausgekommen. Die Rede ist von Udo Lindenberg, dem Urgestein des – ja wovon eigentlich?

Es ist nicht leicht, Lindenberg auf eine Rolle festzulegen. Die Fakten sind bekannt: der Hut, das Hamburger Hotel Atlantic als ständiger Wohnsitz, mehr als drei Dutzend veröffentlichte Langspielplatten. Dazu ein Dutzend Auszeichnungen, darunter die Goldene Stimmgabel, das Bundesverdienstkreuz und die Carl-Zuckmayer- Medaille, 2007 verliehen für seine Verdienste um die deutsche Sprache. Letztere beugt „Lindie“ seit jeher nach Gusto zu einer unverwechselbaren Kunstsprache, in deren Zentrum die Wörter Linde und Panik stehen.

Mittlerweile firmiert „die Linde“ als Maler, Dichter und Politaktivist. El Panico, so der Titel seiner Autobiografie, engagierte sich gegen Atomwaffen und für die deutsche Vereinigung. Legendär wurde sein musikalischer Gruß an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, den er zärtlich „Honey“ zu nennen pflegte: Als Lindenberg ihm 1987 eine Lederjacke übersandte, revanchierte sich Honecker mit einer Schalmei.

Kein Wunder, dass die treuesten Lindenberg-Fans aus der DDR kommen. Hier genoss das deutsche Lied eine andere Wertschätzung als in der amerikanisierten Bundesrepublik, und man tat sich auch mit Lindenbergs merkwürdiger Zirkusgarderobe weniger schwer als im modebewussten Westen. Dort war es weniger leicht, sich als jüngerer Mensch zum selbst ernannten „Panikpräsidenten“ zu bekennen. Einer der wenigen, die diesen Mut in jüngerer Vergangenheit aufbrachten, ist der jungdeutsche Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Nicht alle haben dies verstanden.

Mit dem Abstand der Jahrzehnte fällt es jedoch selbst Verächtern der Lindie’schen Kunst immer schwerer, sie zu ignorieren. Der vielleicht letzte deutsche Sponti, das zeigt auch sein neues Album, lässt sich nicht vereinnahmen. Er ist kein Rocker, kein Schlagersänger, Folkbarde oder Chansonnier, er ist all dies auf einmal. Um ihn herum können Mauern fallen und Kanzler wechseln, Udo bleibt Lindenberg. Insofern läuft auch die soeben auf der Website des Künstlers trendgemäß angelaufene Mitmachaktion „Du bist Udo“ irgendwie ins Leere. Udo Lindenberg, und darin liegt zweifellos seine Größe, bekommt man einfach nicht unter einen Hut.

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